Sonntag, 18. Februar 2018

Nichts von der Berlinale (Tipps vom 05.02. - 18.02.2018)

rolf zacher sylvie winter priyanka chopra kangana ranaut amy jonhston

Liebe Leser,

huch, da hatten wir doch neulich unser erstes Päuschen im Jahre 2018, kann ja mal passieren. Doch nun gelobe ich feierlich: An Empfehlungen sparen wir nicht! Seit langem ist es zudem zufälligerweise geschehen, dass ich in vollen digitalen Absätzen zum Schreiben kam und so an die 3000 Wörter aufstellen konnte. Die Liste an besprochenen Filmen war bei einer zusätzlichen Woche Glotzaction inkl. Filmabend (hier der Song of the Night übrigens aus dem toll verpunkten NYC-Musikdrama „TIMES SQUARE - IHR KÖNNT UNS ALLE MAL“) eben auch lang geworden, obgleich mir wirklich nicht danach war, allesamt aufzuführen. Um ehrlich zu sein, kommt ein dicker Schwall derer (u.a. einer mit ewigster Sperrfrist/querverbunden zu einem der Filme in dieser Ausgabe) wahrscheinlich erst in nachfolgenden Ausgaben zustande. Einige Beispiele der Filmwelt wurden allerdings schon binnen sozialer Medien meinerseits verarbeitet. Zum einen ging die Causa „OFFENE WUNDE DEUTSCHER FILM “ um, welche auf Twitter einen kleinen Kommentarstrang an Enttäuschung eröffnete:

Ob die „VERFLUCHTE LIEBE DEUTSCHER FILM“ mehr kann, als verlorene Relikte an Aufbruchstimmung via lose verknüpfter Anekdoten vom Filmemachen und Eindrücken ohne Eindruck vom jeweiligen Film zu suggerieren, wird sich am 19.02. im WDR zeigen. Ich werde berichten, habe aber jetzt schon einen Ausschnitt vom deutschen Film parat, der da „KINDERSPIELE“ hieß - ein BRD-Sozialdrama des Kindermissbrauchs und Coming-of-Age während der Sommerferien binnen früher 60er Jahre (das Zeitkolorit hatte ich wie schon bei „DIE HEARTBREAKERS“ nicht sofort erkannt), welches ich das letzte Mal sah, als ich selbst so an die 7 Jahre alt war. Ein fiebriger Problemfilmreißer, der sich aus toll geballten, aber trotzdem nicht allzu dramatischen Alltagseindrücken wie diesen zusammenstellte:

Ein Beitrag geteilt von Christian Witte (@wonderwitte) am

Was will man da noch bei der Berlinale antanzen, frage ich euch? Laufen ja eh nur so arg politisch-problematische Filme wie „Isle of Dogs“, ganz klar ein Skandal vom Formate O.K.“. Allerdings, wie der Zufall so will, geht es hier erstmal gleich mit weiteren Abenteuern von Teutonen weiter! Ein anderer, ausgerechnet in Berlin spielender Film kommt auch noch vor, aber erst in der Bonussektion - ansonsten dürfte mein internationales Spitzenprogramm (von dem ein Werk in diesem Jahr auf der B... fortgesetzt erscheint) jedem über die Runden helfen, dem Anfahrt und Kosten gen Landeshauptstadt zuviel des Guten sind. Also lass ich jetzt mal das einleitende Labern und wünsche Lesespaß auf allen Ebenen:




LIEBE, SO SCHÖN WIE LIEBE (Klaus Lemke, 1972) – In München eröffnet sich ein Kaleidoskop der Lebensfreude, wo Tränen so bruchstückhaft Erinnerung sind wie Gegenwart, Zukunft und Sonnenschein ebenso binnen der Wahrnehmung umherspringen. Bei Lemke geht die Liebe immer Umwege ein, liegt aber stets wie Samt überm Prozedere frei dramaturgischer Stichpunkte. Ein Stück weit französische Avantgarde und sonstige geläufige Experimentierfreude der Ära aufsaugend, macht sich dies Ding noch nicht ganz so vollkommen eigen wie alles danach, aber immerhin „Negresco****“ liegt hier gefühlt schon um Äonen zurück, erst recht, was die improvisatorische Enthemmung angeht. Rolf Zacher und Sylvie Winter finden sich da unter Hochzeiten, Mädel-WGs und Betrügermaschen (vom Rundfunkvertreter bis zum Hundefänger) im Blumenfeld wieder, durchziehen per Grimasse und Alltagsschnack Straßen wie Biergärten, ehe die Idee vom Wanderzoo aufblüht. Wie so oft eine simple Prämisse, in der die Eigenarten des Einzelnen das komischste Gewicht des Ganzen aufmachen, beseelt zum „Lebewohl, Tristesse“ mitreißen und sich utopisch vom Kapitalismus abstreifen, während der Flirtfaktor zig Blüten auf die Leinwand zaubert (ein besonders cool grinsender Marquard Bohm macht da den Gipfel an Glück geltend). Allen voran Peter Przygoddas Schnitt macht sich da frei im Best-Of vom Delirium des pudelwohlen Kommunengedankens, wie sich die Welt als Manege besser behandeln ließe. Auch wenn die Verquickung aus Impressionen teilweise den Bogen ins Verkopfte überspannt: Wer Sommer will, kriegt ihn hier schon früh frei Haus, jetzt auch offiziell bei Youtube in schrottiger VHS-Qualität!




SENSUELA (Teuvo Tulio, 1973) – Als Kuriosum über die Korrumpierung von Lappen eröffnete sich uns binnen des letzten Filmabends das Werk des Finnen Teuvo Tulio, der Jahrzehnte vor diesem seinem frühen Schlusswerk schon stets die Himmelspforten der Melodramatik zu erreichen schien und jene hier wiederum mit deftigem Sexappeal garniert. Schnell stellt sich die Frage (abgesehen von „Ist das jetzt Armando Bo?“), worauf man sich dort einlässt, sobald Tonspur und Bildersprache bizarre Draufsichten im Eise bieten – zwischen zweckmäßiger Setkulisse und hypergrellen Naturaufnahmen pendelnd, wo ausgestopfte Tierrümpfe genauso echt erscheinen sollen wie die Aneinanderreihung an Rentier-Kastrationen von naturvölkischer Schönheit zeugen. Im Verlauf ballern sich solche Auswüchse des Merkwürdigen zwar etwas kleiner raus, doch sobald Lappenmädel Laila ihrem Lieblingsnazi Hans Müller nach Helsinki folgt und dem traditionsbewussten Vater damit schwer an der Ehre rumrüttelt, wird sich ausgepellt – und das nicht zu knapp! In jener verruchten Primärfarbenhölle gerät die Unschuld an den falschen, dann an den vermeintlich guten Kerl; manch Mitbewohnerin fetzt sich mit Freiern und im Folgenden frohlockt man höchst ungelenk zwischen See und Sauna. Dazu kriegt man permanent einen Querschnitt vom Schaffen Tschaikowskys (oder auch psychedelische Party-Grooves) auf die Lauscher, während sich nackte Haut und kuriose Detailaufnahmen drum herum abwechseln – Ren und Stimpy lassen grüßen. Dem Leiden in der Fremdbestimmung entgeht Laila aber gewiss kaum und so steigern sich die Fiesheiten ihr gegenüber derart überbordend, dass zwar kaum die Produktionskasse, aber dafür noch der Grad an Desorientierung im visuellen Angriff mithalten kann. Eine schier unterhaltsame Kettenreaktion an Plump- und Geilheit, die in diesem Gesellschaftsschicksal nach Puschkin losgetreten wird!




LADY BLOODFIGHT - FIGHT FOR YOUR LIFE (Chris Nahon, 2016) – Mehr als solide wird hier die bekannte Filmsage vom Kumite (siehe „Bloodsport“, falls Verständnisbedarf besteht) wieder aufgegriffen und mit einer Riege an ausschließlich weiblichen Fighters versehen, bei denen es womöglich am innigsten denn je darauf ankommt, Wut und Güte im Einklang zu bringen – erst recht, was deren Spektrum an nie ganz abgeklärten Geschichten aus der Vergangenheit angeht. Rivalitäten sind da eher Mauern des Schweigens zwischen den Meisterinnen Shu (Muriel Hofmann) und Wai (Kathy Wu), die ihren Groll Jahre lang mit sich tragen und in dieser Zeit auch jeweils nach Schülerinnen suchen, die sie beim nächsten Knochenbrecherwettbewerb in Hongkong vertreten können. Mit viel Ballast und Talent verschlägt es die Amerikanerin Jane Jones (Amy Johnston, Rollenname schon vor „Twin Peaks“ gepachtet) jedenfalls knapp 5 vor 12 in Richtung Shu, um die Umstände zum noch immer an ihr nagenden Tod des Vaters aufzuklären und zudem Kasse gegen ein schlechtes Leben zu machen. Shu nimmt Jane unter ihre Fittiche, hat Anlaufschwierigkeiten wie auch Momente wahren Wunders mit ihr, dass sich aus derer Freundschaft ebenso beim Zuschauer ne Menge tut. Im Kontrast dazu sind Wai und ihr Kick-Azubi Ling (Jenny Wu) mit Straßenkloppe sowie Todesgriffen in der City unterwegs, sich als besonders rabiate Haudegen vorzubereiten, obgleich da so oder so reichlich vom inneren Konflikt der Meisterin auf die Novizin abgedrückt wird. Regisseur Chris Nahon, der in diesem Fall auch den Schnitt an sich führt, hat da ein tolles Händchen für den Spiegel der Ideologien, mit der audiovisuellen Aufbaustimmung und Wanderlust binnen derer weiß er sich zudem sicherlich selbst zu feiern, wo das Budget sonst etwas gedrückt haben dürfte. Vom Fokus aufs Zwischenmenschliche lässt er aber nimmer ab, lässt eine ganze Stange mehr als bloße Klischees austauschen und das mag ein Grund dafür sein, dass die folgenden Kampfszenen erst so richtig spannend werden, wenn eine dramatische Wende/Wunde dahinter steht - und die gibt es zuhauf, eben ob Frau aus Rache handelt, gegen reißende Bestien antritt oder davon läuft, wenn anderen der Preis dabei stimmt. Bei solch emotionalen Prämissen lässt sich das Simplistische daran nie so ganz abschütteln, der starken Umsetzung dessen wegen ist man trotzdem voll drin, bis zur Konklusion klassischster Katharsis - wobei der erhöhte Reue-Level vonseiten finsterster Seelen nochmals ein I-Tüpfelchen dazu gibt. Das hat doch mal großes menschliches Format!




DIE EISPRINZESSIN UND DAS BIEST – DIE WAHRE GESCHICHTE VON TONYA UND NANCY (Larry Shaw, 1994) – Als TV-Adaption der berühmt-berüchtigten Eiskunstlauf-und-Kniescheibenattentat-Intrige um Tonya Harding (Alexandra Powers) und Nancy Kerrigan (Heather Langenkamp) hätte man es sich sehr leicht übers Reißerische hermachen können, doch von Anfang an wird sich positioniert, dass die Ambivalenz des Falls bislang wohl auf der Strecke blieb sowie an der Medienlandschaft an sich abfärbt. Überraschend selbstreflexiv – also weniger vom Ego oben herab, aber ähnlich mit Formaten pendelnd wie Oliver Stones „Natural Born Killers“ – gibt sich das bereits durchinszenierte Alter Ego von Drehbuchautor (Dennis Boutsikaris) die markige bis prätentiöse Blöße, wie er den inneren Kontext der Geschichte entschlüsselt zu haben glaubt. Als Fairy tale vom lebenslangen Konkurrenzdenken (mit gemeinsamen Ziel I'm going to Disneyland) streuen er und der Film sodann offen exploitative Verquickungen einer Lebensdramaturgie, die sich fingierter Talking Heads (mit Namen wie „Harding Supporter“ oder „Network Executive“) bedient und sogar den „Rashomon“ raushängen lässt, wie jedwede Partei den Entschluss zu entscheidenden Handlungen empfunden hat bzw. mit involviert war. Die größte Spannung darin liegt natürlich auf der Person Tonyas, die hier wie irl voller Sympathieschwankungen gezeichnet wird, dies jedoch allen voran als Opfer permanenten Drucks, Fremdbestimmung und Manipulationswillen aus versagter Liebe. Gatte Jeff (James Wilder) gibt da das Zentrum an emotionalem Missbrauch ab, welcher aber auch nicht ganz die Frage klärt, warum ausgerechnet er ihren Ehrgeiz so weit, also auch an sich selbst, treiben ließ. Diese Serie an Verletzungen mit Wechselwirkung montiert der Film entsprechend rasant auf den Medienzirkus hin, wo selbst ein solch unschuldiges Küken wie Kerrigan von den Vorteilen der PR überrumpelt/überzeugt wird, wo sie doch ebenfalls noch nicht wirklich da angekommen ist, alles an Tonya und sich im Zusammenhang zu verstehen. Die Filmrechte werden hingegen schon verhandelt und Sender reißen sich um den Stoff, ihn aus der Schlagzeile schnellstens in die Primetime zu bugsieren - war man den Goldmedaillen, dem Stellenwert der USA bei den Olympischen Spielen und der öffentlichen Wahrnehmung ja schuldig. Letzterer zeigt man hier aber auch, dass an der Geschichte gewiss nicht alles (aber in Bezugnahme bewährter Stilismen bewusst vieles) einem Movie-of-the-Week-Drama, stattdessen einer schwarzen Komödie entspricht - u.a. wie tollpatschig die Verschwörung zum Attentat und deren Kerle per Macker-Attitüden von statten gingen; wie wenig Ahnung allerdings auch von Nöten war, solch ein kleinkariertes Verbrechen binnen der Sportlernische auszuführen. Muss man alles mal sacken lassen, welches Urteil man zur Angelegenheit noch stemmen kann, wenn dieses Portrait eskalierter Abhängigkeiten dazu ohnehin mit der eigenen Abhängigkeit von Manipulationen argumentiert.


Endhiran


ENTHIRAN (S. Shankar, 2010)/KRRISH 3 (Rakesh Roshan, 2013) – Zwei Blockbuster aus Indien, die sich vielerlei Elemente großspurigen Unterhaltungskinos teilen und in meiner Meinung daher irgendwie gleich auf liegen (was nicht nur damit zusammenhängt, dass ich sie mir beide letztens zufällig in der Bücherhalle Hamburg gegriffen hatte, ehrlich jetzt). Macht ja auch Sinn, wenn sich die jeweiligen Hauptdarsteller stets mindestens auf Doppelrollen einlassen, bei denen sie Wissenschaftler und Schöpfung zugleich repräsentieren, während die Filmerfahrung um sie herum in (bilingualer) Überlänge gefühlt jede mögliche Leinwandstimmung auf die Spitze treibt. Kommerzielle Experimentierfreude im Überfluss, sozusagen. Komplizierte Stoffe bedienen beide nicht, eher verzwickte Gebilde an Eindrücken, bei denen das Nacherzählen mindestens so viel Kopfzerbrechen bereitet wie das bloße Erleben - wohlgemerkt mit einem Produktionsstandard und Tempo aufgewertet, der dem ollen Kasten Hollywood das Wasser reichen kann, nur eben noch Bock an seiner selbst zu haben scheint. Klar klaut man sich wie eh und je Schauwerte und ganze Handlungsstränge an Topoi aus der westlichen Kultursphäre zusammen, aber das mindert jene Pulverfässer an Überraschung wohl kaum, zumal die soziologischen Eigenarten da erst recht einen ganz prägnanten Stellenwert einnehmen - ungefähr so wie die obligatorischen Musical-Inserts im Choreo-Rausch. Auffällig sind in diesen Fällen u.a. Kernsätze Richtung Heirat, Nachwuchs, Treue und Ehre, an denen sich vielerlei Tabus, Ängste (vor Viren, Mutanten, bösen Wissenschaftlern, deutschen Terroristen, etc.), die ganze Bandbreite an Schamgefühlen und Männlichkeitsidealen, aber auch kollektiv symbolisierte Hoffnungen auf Frieden erkennen lassen. Der Kontrast dieser meist konservativ angehauchten Werte mit dem wilden Potpourri an Genre-Exzessen wirkt dementsprechend befremdlich, irgendwo zwischen Anbiederung aus Gottesehrfurcht und permanenter Entgleisung verortet, die dem Publikum mehr zutraut als es mitunter zugeben mag. Da lässt man z.B. auf eine versuchte Gruppenvergewaltigung den befreienden Roboter-CGI-Prügelwust folgen; an anderer Stelle werden Menschen aus dem Feuer gerettet, eine nackte Frau verpixelt in Sicherheit geflogen und aufgrund ihrer verletzten Ehre im Anschluss von einem Truck überfahren - solch exemplarische Sequenzen sind, wie man sich vorstellen kann, Herausforderungen ohne Vergleich. Wobei „Enthiran“ im Vergleich doch mehr von jenem Kaliber auffährt als „Krrish 3“, welcher mit seinen Orgasmen an Innovationswundern und Opferbereitschaft aber trotzdem die meisten Vertreter seiner Superheldenepigonen in den Schatten stellt. Überhaupt, was sich an Effekten entfesselt, hat ja teilweise schon Youtube-Geschichte geschrieben, wenn Dampfwalzen an Robot-Klonen über die Straßen fegen oder das „Man of Steel“-Finale binnen der Werbefläche-Wolkenkratzer Mumbais noch überknallt wird. Aber egal wie wüst, mal mehr, mal weniger hochwertig die Effekte ins Auge ballern: Das Happy-End mit Dank an alle Mitwirkenden im Plot ist gewiss: Hier hat man zusammen wirklich Unmengen an Wahnsinnsabenteuern/Entertainment durchgestanden und auch voneinander gelernt, was Liebe und allerlei bedeutet. Das Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit.




SAVAGE DOG (Jesse V. Johnson, 2017) – Eine große Pulp-Sause mit einem zunächst auf Vergangenheitsbewältigung hoffenden und bald übelst rächenden Scott Adkins, der im Indochina der 50er Jahre mit Exilnazis, Kampfturnieren und Erpresserbanden zu tun haben muss, ehe er sich seines zerstörtes friedliches Lebens anhand blutiger Körper- und Waffenekstase revanchiert. Der große Männermythos platzt dabei aus allen Adern und Gliedmaßen, was ihr jetzt gerne als parodistisch abstempeln könntet oder halt als farbenprächtiges Ventil der Gefühle. Er wird nämlich melodramatisch grell in eine Kulisse gebettet, die mit ihren Pappmaché-Bühnen der großen Geste (auch solche der Wiedergutmachung zwischen Vater + Tochter, aus zweiter Hand) allein verpflichtet ist, weshalb sich Regisseur Johnson mehr Schluderei erlaubt als ihm selbst manch Direct-to-DVD-Aficionado zugestehen dürfte. Es ist aber eine Sache, absichtlich schlecht zu agieren und eine andere, anhand solcher Grand-Guignol-Maßnahmen wahre Euphorie vortreten zu lassen - und sei es auch jene zum Böse-Töten auf großem Fuße. Das erinnerte mich alles nicht von ungefähr an den Film-in-Film von „The Act of Killing“, obwohl Johnson sicherlich weniger am Vorführeffekt verdrängter Schuld gelegen ist als dass er daran erstmal die Katharsis seines Genres auslebt, aber wer weiß? Bei Adkins‘ Charakter, der sich hinter seiner Geschichte als Ex-IRA-Terrorist zu verstecken versucht, ist eine gewisse Synergie nicht von der Hand zu weisen. Die Gestaltung des Films birgt in ihrer klaren Rächer-Dramaturgie so oder so eine enthemmende Kraft gegen das Krasseste an Ungerechtigkeit, wo der schnellst erkennbare Charme des Unbeholfenen flugs zur Geilheit des Überwältigungskinos gepeitscht wird und trotzdem stets phantastisch bleibt (Keith Davids Voiceover mit inbegriffen). Die Powermuskeln und rotzigen Ansagen Adkins‘ gegenüber seinen Überbösewichten helfen dem gleichsam mächtig auf die Sprünge, aber er macht’s auch nur aus Liebe, selbst wenn er sich ihr nach den ersten Anschlägen nimmer zeigen kann, wenn ihn der Impuls zum Töten genauso schwer loslassen kann. Für den Zuschauer ist das nicht unbedingt eine große moralische Zerreißprobe, aber dafür sehr direkt im Schussfeld unbedarften/ungehaltenen Action-Kintopps gelegen.




MONSTER HUNT (Raman Hui, 2015) – Zur Abwechslung etwas auf Jingoismus und Propaganda allgemein verzichtend (ich möchte meine Hand dafür nicht ins Feuer legen), geht hier ein chinesischer Fantasy-Blockbuster auf Touren, ein Baby von Monsterkönig vor bösen Machthabern kaiserlicher Krone zu retten. Die wollen es zusammen mit anderen Fabelwesen im Goldpalast zur Verköstigung anbieten, indes jene Artgenossen von Kindheit an gejagt werden und sich daher hinter falscher Menschenhaut verstecken müssen. Die Transformationen dazu erinnern ans Tohuwabohu aus Zeiten des „Tarzerix“, ähnlich überfordernd spontan springen die CGI-Eindrücke in Brutalitäten wie Absurditäten um, wenn’s dann trotzdem niedlich sein soll. Selbst als landesspezifisch Eingeweihter schaut man kaum schlauer aus der Wäsche, was im folkloristischen Spektakel vergangener Jahrhunderte für selbstverständlich gehalten wird, wenn sich z.B. flüchtende Monster vor unserem Protagonisten die Bäuche aufschlitzen und ihm ein Ei in den Mund stopfen, damit er voll schwangeren Bauches das Kind in Rübenform heranwachsen lassen kann. Die Heldensage behilft sich zudem einiger Disney-gerechter Musicalnummern und Martial-Arts-Kunststücke, doch man wird so oder so das Gefühl nicht los, dass das Gehirn einem gerade einen Streich spielt. Abseits dieser allgemeinen Irritation, wo man überall landet, besitzt das Abenteuer schlicht alle Zutaten puren Kinos: Zaghafte Liebe, Glücksspiel, Slapstick, Kulleraugen, den Schmerz erzwungener Trennungen, gefälschte Identitäten (positiv wie negativ), Superheldenkräfte, magisches Blut sowie eine total senile Oma. Die Erwähnung, dass es mehr oder weniger auch um Familie geht und da zudem am Empathischsten ankommt, könnte ich mir auch sparen - aber bei solch einem ausufernden Film ist diese nur recht und billig.


The Pack


DIE MEUTE (Robert Clouse, 1977) – Einer von 2 Hundefilmen des Santa Clouse (seine „Night Eyes“ brachte ja Windhunde als Riesenratten zum Vorschein), wobei dieser hier ein ganzes Stück konventioneller auf die Genre-Topoi der Zeit zurückgefallen ist. Zu fast jeder Spezies lässt sich eben ein derart langsam steigerndes, grundsolides Spektakel an Angriffseffekten und Verteidigungsmaßnahmen bei konzentriertem Insel/Hütten/Kleinstadt-Setting finden. Dennoch legt er einiges an Spannung in der human condition an, insbesondere wie der ideale Mann zu sein hat. Unter mehreren Vertretern des Geschlechts zeigt er Fehler und Vorzüge, Feigheit und Heldentum, übelstes Lästern und Verkumpele, Hilfebedürftigkeit und praktische Methodik dessen auf. Im Hunde spiegelt er das meiste davon ebenso wider, wobei die Masse/Meute (mit Ausnahme eines tragisch Ausgesetzten) eben aus reiner Tollwut handelt, so dass Joe Don Baker als Nachfahre der Western-Heroik neues Eigenheim und Patchworkfamilie verteidigen muss - so energisch nach Plan und bald auch auf eigener Faust, dass es beinahe selbstironisch ankommt. Gibt zudem viel Wortwitz vonseiten der deutschen Synchro oben drein; im Film an sich zudem eine tolle versöhnliche Note, die von der Gewalt weg Michelangelos Erschaffung Adams referenziert. Eva ist in diesem Film hingegen mehr so Hausfrau (mit Cujo-Moment!), Witwe, Blondchen und viel mehr nicht (man beachte aber noch ihr Drohen mit der Peitsche!). Doch wer sie als Fußabtreter benutzt, wird genauso von Hunden zerfleischt wie die anderen inkompetenten Sturköpfe im Ensemble. Der Hang zur moralischen Konsequenz hat erneut Hochsaison! Zudem ergibt das „Alles muss man selber machen“ Bakers einen schön stringenden Backdrop für eine Hundehorrorkernigkeit, die jeden potenziellen Spannungsschauplatz erwartungsgemäß mit Schauwerten abarbeitet, dabei immerzu einige (auch visuell) charmante Kleinigkeiten an Gruppendynamik und Bewältigungstechniken an der Leine führt. Nicht mehr und nicht weniger.

Übrigens, da gab's ja noch DIE Story zum Film:


Ok, jetzt aber noch der letzte Tipp, jo:




THE VIOLENT YEARS (Edward D. Wood Jr., 1956) – Eine Mädchenbande aus bestem Hause geht allmählich auf die Barrikaden, wie viel Verbrechen sie sich selbst unter ihrer platinblonden Queen Bee erlaubt und kriegt‘s letztendlich mit Blei und moralinsaurer Keule quittiert. Bis zur Rückkehr zu Gott - unter den Drehbuchplädoyer-ablesenden Augen des Familienrichters - vergehen in diesem flotten Portrait einer radauenden Jugend kaum 50 Minuten, innerhalb derer der Krimi jedoch herzlichst naiv Randale spielen geht! Der Tankstellenraub zur Einleitung birgt da ähnlich holprige Noir-Fatalitäten wie spätere Überfälle bei Tag (?) an scheinbar derselben Landstraße, wo einem Pärchen der Pullover entwendet und der mimisch überforderte Kerl dazu im Off gruppenvergewaltigt wird. Ebenso markant inszeniert Meister Wood eine Teen-Orgie, bei welcher die wüsten 21-Jährigen nach doppeltem Whisky und Alter ausschauen, ein vorbeikommender Reporter dazu ziemlich toll Empörung ins Gewissen runter schmettert. Woods visuelles Gespür für dramatische Hackfressen lässt dabei eben wie immer kein Auge trocken, wenn diese mit der Action ihrer Zeit zu gehen versuchen. Die gänzlich von Subtilität befreiten K.O.-Tropfen an Kolportage verteilt allerdings jene Sequenz, in welcher die Mädels ihr Schulzimmer verwüsten und daraufhin von der Polizei mehr oder weniger belagert werden. Mit dem aufgeregten bis melodramatischen Dilettantismus darin lässt es sich gut beisammen verwundern, da hat der christliche Lösungsansatz zum Schluss - ebenfalls auf der Überholspur des Trivialexzesses - natürlich das Nachsehen. Wäre ja auch höchst langweilig, wenn nicht.

Bonus-Zeugs:

michael keaton chloe grace moretz fifty shades of grey nukie

TOD DEN HIPPIES!! ES LEBE DER PUNK! (Oskar Roehler, 2015) – Ja, das ist er!! Der offensiv-provokant daherkommende Krawallfilm, der kaum die Hälfte seiner Laufzeit in jenem Modus übersteht, ehe man das Geschehen im Innern als nichtssagend abgeschrieben hat. Krass, ne, „Arschficken für alle“, „Heil Hitler“ und so, hoahoahoa, darf man das sagen?! Also… Nicht, dass Roehler dem Dasein des Punks da ungerecht gegenüber wird, so wie Tom Schilling von Internat-Gammlern rüber zu Berliner Peep-Schuppen und Speed-Zombies wechselt, wo sich eben gleichsam Ideologien sowie deren Ikonen in pausenloser Hysterie zuwichsen. Er versucht sich sogar noch mit einer dem Milieu entsprechend illusorischen Love-Story aus dem No-Future-Slime und etwaigen Bullenschweinen zu kämpfen, scheint allerdings wiederum selbst so gar keinen Bock zum letzten Schub nach oben zu haben. Stattdessen sucht er im Eiltempo weitere Schockbilder bzw. Ausrufezeichen, welche dem Feuilleton als Skandal sauer aufstoßen dürften. Nice try, aber werte Leser: Lieber nochmal auf „TIMES SQUARE“ zurückgreifen.

AMERICAN ASSASSIN (Michael Cuesta, 2017) – Ey Junge, du da, komm mal rüber! Nee, ich bin kein Anwerber, aber pass auf: Dieser harte Action-Thriller hier zeigt dir, was so alles hinter den Kulissen globalen Terrors geschieht; voll mit Kopfschüssen, Folter und islamistischen Fieslingsfratzen, dass dir keiner deiner Red-Pill-Forenfreunde dumm kommen kann, was du danach so alles weißt und auch an Moves kannst, um Leute effektivst zu killen! Krass, oder? Was? Nee nee, kein Stück wie Waschlappen Jason Bourne, hier gibt’s immerhin auch ein CGI-Wasserbombenfinale, ganz schön heftig! Und schau mal, der „Homeland“-Typ im Regiestuhl wird ja wohl wissen, wie taff und übermenschlich Geheimagenten heutzutage sein müssen, oder? Der kennt sich aus, muss man wissen, basierend auf einem authentischen Bestseller! Der Maze-Runner-Macker hier dringt sogar in eine IS-Zelle ein, um seine Freundin zu rächen – und das ist erst der Anfang, man! Boah, der sticht auf die alle ein, blutig wie Sau! Aber jetzt mal im Ernst: Das passiert alles JETZT, Freundchen, Iraner und dat, alles Hi-Tech! Achte mal drauf! Und sowieso: Alle 10 Minuten eine Action-Szene, versprochen, ist nicht langweilig, ich schwör‘s!

FIFTY SHADES OF GREY - BEFREITE LUST (James Foley, 2018) – Vollends lustbefreit schließt sich die Trilogie an S/M- und Domestizierungsromantik so ab, dass man selbst der (wenn überhaupt existenten) Fangemeinde keinen Gefallen tun dürfte. Eine Pop/Poppen-Montage nach der anderen (auch mal nach einer Autobahnraserei) flirtet stets verstohlen mit dem Koitus und kann bei vorherrschender Verklemmtheit nicht mal selbstgefällig geschimpft werden - dennoch sind jene Sequenzen vorrangig im Einsatz, einen losen Spannungsbogen über geheimnisvolle Verfolger, Vergangenheitsbewältigung und Selbstbestimmung in Gang zu bringen, welcher bereits in den Vorgängern nur ein Placebo von hohlster Wirkung war. Lief bei Joe D’Amato vielleicht nicht doll anders ab, wusste den Zuschauer aber (auch inszenatorisch) weit geiler zu verführen. Nebenbei wird darüber spekuliert, ob ein Freund unseres Pärchens seine Freundin betrügt und zum Schluss hin zudem eine wiederum lasch aufgelöste Entführung geboten, die jedermann ein glückliches Familienleben beherrscht. Das war’s?

CARRIE (Kimberly Peirce, 2013) – Was für ein Frustfilm... Höchstens noch für Masochisten interessant, die sich an King’schem Arschlochverhalten gar nicht satt sehen können. Die schlimmst-plakativen Impulse jenes Autors werden jedenfalls für einen Reißer nach vorne gefiltert, welcher alles an seinen Figuren und Konflikten lediglich am Effekt erkennt und nur diesen ausspielen lässt. Eben ganz an eine Zielgruppe anbiedernd, deren Empathieverständnis bei der „Purge“ stehen bleiben dürfte: Den Mainstream-Horrorbauern von heute und gerne auch solchen, die in Facebook-Nostalgie-Gruppen gemeinsam Regression üben. Dass daran aber wohl noch Teens in Sachen Anti-Mobbing moralisch belehrt werden sollen, ist an Schrecken kaum zu überbieten. Mein Beileid dem eigentlich soliden Cast, der stets auf heißen Sohlen vor dem Film zu fliehen scheint.

NUKIE (Sias Odendal und Michael Pakleppa, 1993) – Ein südafrikanisches E.T.-Imitat, das die Sehnsucht getrennter Brüderlichkeit anhand von Aliens und Natives zugleich parallelisiert. Für diese Erkenntnis durchlebt man eine gefühlte Ewigkeit an x-mal-wiederholten Außenaufnahmen, witzlos daherlabernden Tieren und Missionars-Altbackenheiten, die allesamt gegen jedwedes Charaktergehalt oder sonstige Unterhaltungswerte resistent zu sein scheinen. Die Savanne blödelt belangloser als jeder „Die Götter müssen verrückt sein“, ihre Protagonisten reden bei omnipräsenter Entdynamisierung zudem des Öfteren davon, wie müde sie schon wieder seien. Gähnen auf allen Ebenen. 

UTOYA ISLAND (Vitaliy Versace, 2012) – Auf der Suche nach der fixen Kontroverse schleust Pseudo-Maverick-Moviemaker Versace das Breivik-Massaker durch ein Nichts an Narrativ, welches schneller rum ist als man glaubt und doch kaum schleppender im Amateur-Bodensatz voranschreiten könnte. Ein Bruchteil regional verwirrter Charakteretablierungen (US-Norweger im Hormonrausch) hier, ein Haufen mieser After-Effekte da - gestreckt anhand ewiger (spannender?) Spaziergänge im Wald und abgeschlossen vom Kollektivbegräbnis in gottesehrfürchtiger Echtzeit: Das alles ist nun echt nicht der Rede wert, zumal sich ganz amerikanisch nie eingestanden wird, dass Knarren an allem Übel schuld sind.

Sonntag, 4. Februar 2018

Wittes FilmBlaBlabenD - Januar 2018 (Tipps vom 29.01. - 04.02.2018)


Liebe Leser,

heute konvertiere ich euch kurzerhand zu Hörern - ihr habt da keine andere Wahl, wenn ihr erfahren wollt, was und warum ich dies empfehle. Und da gibt es diesmal auch keine Bonussektion zum Ausweichen: Ich hab mich so erschlagen lassen an Qualität anhand des jüngsten von mir veranstalteten Filmabends, dass ich die Woche über kaum was anderes in die Glubscher antingeln konnte (außer mittelschweren Oberrotz wie „Back for Good“). Die Ehrfurcht war einfach zu groß im Mark verteilt, dass ich mir sogar sehr uneinig war, wie ich euch diese gesammelten 8 Topfilme vermitteln sollte (allesamt übrigens sehr pärchenlastig, außer beim 4. und letzten – da werden die umgebracht). Wieder die Handschrift bemühen wollte sich - einem „Stephen Kings Stark“ ähnlich - nicht so recht ergeben und das von früher bekannte Schribbeln am PC kam mir ebenfalls etwas anstrengend vor. Meine Vorurteile, zack! Weil ich diesmal mehr zum Quasseln aufgelegt war, gab es also eine Aufnahmesession im Freiflug! Über 2 Stunden hatte ich mich durchgequält, mich mit nem unsichtbarem Publikum zu unterhalten und das war so schick unangenehm und banal und zudem vom schlimmsten Schlafrhythmus aller Zeiten angeschissen, dass das Material im Endschnitt schließlich nur zu 38 Minuten überleben durfte! So viel Lebenszeit raube ich euch also nicht, na wie ist denn das? Lasst meine Goldstimme bei euch im Hause erklingen, Freunde, beim nächsten Mal ist es vielleicht schon wieder alles ganz anders!



Übrigens, ich habe gelogen, was die Bonussektion angeht! Es gibt sie, aber ohne Filme – man will ja präsentieren und teilen (mehr Klicks erhaschen), was man in seiner Freizeit inzwischen noch so alles geleistet hat. In diesem Fall kam ich auf den Trichter, mich nach all der langen Zeit beim Videospielen zu filmen. Tja, ich rücke euch heute lautstark auf die Pelle und da könnt ihr nix gegen tun, so spielt das Leben! Bzw. so spielt meine Wenigkeit COOL BOARDERS 2+4 für die Playstation One (alias 1 oder auch X), eurer Zeit und Sympathie zuliebe auf nicht mal 12 Minuten runtermontiert! Ihr müsst diese Woche also insgesamt nicht mal ne Stunde mit mir hier verbringen – mindestens erträglicher als „Baby Driver“, mein neuer „La La Land“!



PS:

PPS: 
R.I.P. Rolf Zacher (28.03.1941 - 03.02.2018)

(Rolf Zacher und Heinz Bennent in Eine Rose für Jane, Hans W. Geißendörfer, 1970)

Sonntag, 28. Januar 2018

Tipps vom 22.01. - 28.01.2018


Liebe Leser,

wir lassen uns das Tippen nicht verbieten! Warum denn auch, hat ja keiner nach verlangt. Aber es steht fest: Ich habe wieder eine neue Ausgabe für euch parat, was innerhalb letzter Woche so an schicken Movies zusammenkam. Das beste von allem kam, wie das Sprichwort so schön sagt, eher zum Schluss, aber auch Anfang der Woche ließ ein tolles Trio binnen des Minifilmabends dazu bitten, aufmerksam hinzuschauen. Und zwei von jenen via Siegfried Bendix ausgesuchten Filmen (allesamt anno 2017) hatten letztendlich den Sprung ins Tipp-Terrain geschafft, aber: Der Einstieg mit „Spider-Man: Homecoming“ glich einer mittelschweren Katastrophe. Selten hat sich ein Superheldeneintopf so egal vor einem abgespielt, dass er genauso gut ab seiner Variante der berüchtigten „Fähren-Szene“ hätte anfangen und alles erzählen können, was ihm eigentlich auf dem Herzen liegt – also knapp 40 Minuten vor Schluss (von über 130!). Und selbst das ist dann auch noch komplett Banane und sogar weit hinter den Vorgängern in Sachen Charaktergehalt, schier überladen an Nichtigkeiten. Da wünscht man sich gottlob die Marc-Webb-Bumsspektakel zurück – die hatten immerhin eine Mindestmenge inszenatorischer Aufregung parat, die hier nun in der offiziellen Marvel-Zwangsjacke gänzlich fehlt, luschigsten Baby-Humor reiht und wohl Cosplay-Fetischisten wegen konstant Spider-Mans Anzüge durcherklären muss, während sein Kumpel keine Pause unternimmt, zu fragen, wie das Leben als Spider-Man so ist. Das wüsste der selber gerne, schließlich weiß er sich fast ausschließlich darüber zu äußern, wie hart er zu den Avengers gehören und sich Tony Stark beweisen will. Es hört nicht auf, lobet die Anpassung! So redundant natürlich, dass ich auch beinahe nur einen Gag für die Sichtung über hatte: „Guck mal, das ist wie „Cop Car“, denn das spielt gerade in einem Auto.“ – ne, die beiden Streifen sind schließlich von Jon Watts, aber nicht, dass man’s hier wirklich merken würde. Ob er bei der kommenden Fortsetzung weniger maximalmiserabel gestalten darf?

Schlimmer als meine Collagen?

Wie dem auch sei, das bessere an der Woche entschädigt für solch einen Schmarrn, selbst für die Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen, welche einen meiner persönlichen Favoriten vom letzten Jahr, „The Florida Project“, beinahe komplett aus dem Wettbewerb verdrängten. Was ich wiederum beinahe verdrängt habe: Meine Sichtung von „Batman: Gotham by Gaslight“. Jener weitere Eintrag in die Animationsschiene an DC-Verfilmungen war sich selbst zwar nicht ganz so egal wie Spider-Man, aber dass die reguläre Bat-Masche ins viktorianische Zeitalter um Jack the Ripper verfrachtet wird, klingt eben nicht mal auf dem Papier sonderlich originell. Visuell unbeeindruckend ist das Ganze sowieso und der Schauplatz des Finales (das Riesenrad einer Weltausstellung) wird einem schon binnen 10 Minuten Laufzeit ausgewiesen – für den Endboss hat man sich zumindest etwas mehr einfallen lassen, aber das reicht für eine Empfehlung gewiss nicht aus. Gutes könnte ich hingegen noch über „Midnight Special“ sagen, welcher nach einem etwas doll uninvolvierenden Start Stück für Stück zum angenehm intimen Genrestück mausert. Mit den Topoi der Erlöserfantasie und Telekinesis-Science-Fiction spricht man sogar (wenn auch etwas unausgegoren) auf das Potenzial religiöser Wahrheit an - wohlgemerkt anhand des Individualismus anstelle orthodoxen Gruppenzwangs. An der Tour und Jagd durch die USA erkennt man zwar viele Signale von einst wie jüngst wieder, dass man das Konzept relativ dünn und den charakterlichen Inhalt allenfalls funktionell bewerten könnte, aber zumindest ich war recht überrascht, wie viel Kraft allesamt dann doch summieren konnte – allen voran Regisseur Jeff Nichols in der Handhabe sequenzieller Spannung, gekrönt von den Innereien der Mutterliebe Kirsten Dunsts.


So, jetzt aber genug an Spider-Man zurückerinnert, wollen wir zu den regulären Tipps kommen! In diesem Fall würde ich drei von denen zumindest noch ankreiden, dass sie mit Einschränkungen empfehlenswert sind, aber interessant waren sie allemal für den gegenwärtigen Schreibprozess. Seid ihr mit dem eigentlich noch zufrieden oder soll es ab Februar wieder anders laufen? Könnt ihr gerne beizeiten Bescheid geben, aber jetzt zöger ich’s erst mal nicht weiter hinaus – Zieht euch die hier rein:

(Yasujirô Ozu, 1959)

(Hong Sang-soo, 2004)

(Andrew Jay Cohen, 2017)

(Noah Baumbach & Jake Paltrow, 2015)

(Richard Eichberg, 1930)

(Martin Guigui, 2017)

Und nun wie bei den letzten zwei Malen auch wieder die Videovariante der Tipps, falls ihr meine Schreibe beim besten Willen nicht entziffern könnt:




Alles klar, das war’s für die heutige Ausgabe! Auf eine Bonussektion müsst ihr dieses Mal leider verzichten (quasi wie die Nasen im Dschungelcamp grade auf Tabakentzug sind), da ich schon im Intro alle Filme ausgeplaudert habe, die hier im Abseits noch gesichtet wurden - kommt davon, wenn man mal wieder mehr echte Arbeit zu erledigen hatte, gottseidank! Nicht traurig sein, ne, denn es geht nächste Woche bestimmt wieder pralle weiter: Der 1. Filmabend 2018 in meiner Bude findet nämlich statt und 8 Schmankerl stehen dafür auf dem Speiseplan! Ich hoffe mal selbst, dass ich ausschließlich Gewinner herangezüchtet habe – ich werde berichten! Bis dahin wünsche ich euch allen noch eine schöne Zeit und freue mich sowieso auch selbst auf alles, was da noch kommen mag – damit bin ich engagierter als „Spider-Man: Homecoming“, jo (die Eitelkeit hab ich mir von De Palma abgeguckt, hihi)!

Sonntag, 21. Januar 2018

Tipps vom 15.01. - 21.01.2018


Liebe Leser,

ja is doch Bombe! John Carpenter feierte am 16. seinen 70. Geburtstag, David Lynch am 20. seinen 72. und das nächste Glück folgt sogleich: Es gibt auch diese Woche eine neue Reihe an Tipps und auch wenn ich mit deren Formatierung noch das eine oder andere Hühnchen zu rupfen habe (allen voran, da die Youtube-Zahlen von letzter Woche sehr unterirdisch in die Röhre schauen, quasi unter 10 Klicks): Sei's drum! Es geht weiter auf zweifachem Wege, via leserlicher Handschrift und Videoversion zum Anhören. Hilft mir ja auch, sich doppelt abzusichern, insbesondere darin, was man vielleicht noch immer falsch macht. Zum Beispiel: Ausgerechnet das Wort 'Fixierung' hat es in hiesiger Kollektion an die 3-mal reingeschafft - da will man schon originell sein und macht dann gerade in der Konzentration Abstriche. Was ich ja auch festgestellt hatte: Letztes Mal war die Bonussektion überraschend reich ausgefallen und gefiel mir textlich fast schon besser als die Haupttipps. Irgendwie muss es doch eine Synergie zwischen all diesen Ansätzen geben - hmm, ich wünschte, ich hätte die schon raus. Bis dahin gilt wohl erstmal noch die jüngst angefangene neue Staffel „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ durchzuscannen - oder zumindest die Übertragung vom Bayrischen Filmpreis, die via 3sat erheblich bieder-ernüchtern konnte, was in hiesiger Branche grade vom Lob heimgesucht wird (toll dagegen, wie die Preisträger darauf reagierten, wer ihnen die Preise übergab). Aber jetzt doch noch was Wesentliches zum Thema aus meiner Privatwelt: Ich war wieder in der Bücherhalle in Hamburg zugegen, ausgerechnet am einzigen Tag, der hier Schnee(matsch) aufs Asphalt brachte. Ganze 10 Scheiben konnte ich wieder für mich ergreifen und einige von denen sind nun schon als Topkandidaten vertreten. Bewundert mich! Impressionen aus jener Ära:

Ein Beitrag geteilt von Christian Witte (@wonderwitte) am

Wie kann man das noch steigern? Ganz einfach, indem ich die Einleitung hier allmählich abbaue und mit den Filmtipps anfange! Du, es sind einige bekannte Künstler wieder am Start, gleich bei dem ersten wollte ich dann doch einiges seit langem mal gerade rücken (bei der letzten offiziellen Erwähnung seinerseits war ich weniger nett) und einen zurückkehrenden Kandidaten hatte ich letzte Woche erst für mich entdeckt. Gebt euch die Sondierungs-Papers:


(Rudolf Thome, 1994)

(Kazuhiko Yamaguchi, 1970)

(S.S. Rajamouli, 2015)

(Bret McCormick, 1986)

(Steven Quale, 2017)

Obacht, hier kommt die Videofassung, ihr Königstiger/innen:



Ich hatte die Woche über noch einige mehr oder weniger empfehlenswerte Filmbeispiele auf der Pfanne, aber eine bestimmte Konstellation dazu muss ich euch genauer erklären und das wird vielleicht NOCH spannender als die Bonussektion von letzter Woche, also: Ich hatte das ne Zeitlang irgendwie in den Knochen und zudem Stück für Stück mit Hentschel besprochen, nun doch endlich Es, also die Neuverfilmung von dem hier über die Bühne zu bringen, aber wie so oft mit modernen Horrorfilmen hab ich mich was schwer getan! Den Streifen wollte ich nichmal im Kino sehen, weil man den Jumpscares da so schlecht entkommen kann - und es ist halt absehbar und zum Kotzen, dass das Genre mit dem Stilmittel knapp 90% des jeweiligen Narrativs ausmachen kann bzw. mich frustriert. Allerdings lenkte mich was in diesem Kosmos, nun eine Handvoll Bilder von den ganzen grotesken Kreaturen des Films zu finden - und schon war es geschehen: Da wollte ich mich überwinden, denn die sahen gruseliger aus als jedweder Jumpscare. Das ist schon mal ein Anfang! Sollte es sich bewahrheiten, dass man mitreden könne? Nun, ich habe mir den Film für einen möglichst hellen Nachmittag aufgehoben, also den am Freitag, weil's früher nicht ging. Da passierte ja zuvor was: Ich hatte eine weitere Nachholung zu meistern, nämlich Christian Petzolds Barbara, der hier bestimmt schon seit 4 Jahren rumliegt. Nun, Nina Hoss bzw. ihre Rolle wird die Erinnerungen bestimmt nicht los, wie lange sie nicht nur auf meinem Fernsehtisch, sondern auch im DDR-Knast verweilen musste. Der Schatten dessen ist im ganzen Film zu spüren, welcher Bürger und Bürgerinnen dem damaligen Staat gemäß in theoretischer Freiheit/Intimität beobachtet, auf dass untereinander durchweg manierliche Subtilität herrscht. Ganz bezeichnend für einen Film, der sich inhaltlich und inszenatorisch damit beschäftigt, wie man jemandem etwas beibringt - vor allem, wenn dieses unter Strafe steht. Offene Geheimnisse trägt der Petzold also undramatisch in der Suggestion voran - und das ist halt gut, aber vielleicht nicht komplett ergiebig, viel daraus zu entwickeln, außer wie unsere Protagonistin lernt, Menschen vor Ort helfen zu wollen statt zu fliehen. Eine ganz ambivalente Aufwärmphase. Da ist mir zum Schluss hin auch ein kleines Gedicht eingefallen:

So, der Punkt an der Sache ist aber derjenige, dass Ronald Zehrfeld dieses räudige Anatomie-Bild Rembrandts bei sich im Büro hängen hat und das dann noch anhand von Nahaufnahmen durcherklärt. Bäh, das mit der Hand ohne Haut, da schüttelt's mich. Aber pass auf, Lesermensch: Einen Tag später sollte sich dieses Bild als Omen erfüllen, da ich mich entschloss, noch eine weitere neue Stephen-King-Verfilmung vorzuschieben. Es handelt sich natürlich um Das Spiel aka Gerald's Game. Wie genau der Film letztendlich mit der Rembrandt-Impression zusammenhängt, möchte ich lieber nicht offenbaren, da es sich als absolut schreckenerregendes Trauma angehangen hat, das man besser nicht erleben will. Regisseur Mike Flanagan schafft es in dem Moment, den Schmerz seiner Hauptfigur so prekär wie es nur geht zu vermitteln, jedenfalls mehr als ihm sein Kammerstück an Vergangenheits-/Gegenwartsbewältigung im Vorn- und Nachhinein möglich ist. Als glattes Spannungsstück ist der Film ja auch nicht schiefgegangen - die inner-psychologischen Spielereien Kings sind nun mal irgendwie ziemlich doof. Oder sie reichen halt für eine Kurzgeschichte, die Carla Gucino und Co. in eine kitschige wie unausgegorene Endphase der Sonnenfinsternis-Symbolik/Katharsis tragen müssen, während nicht nur deren Angekettet-Sein an „127 Hours“ erinnert. Das Unbehagen gegenüber Pedo-Dad-Kindheitserinnerungen ist da auch so ein Punkt, der effektiv eingesetzt ist, aber in seiner gut gehandhabten Austauschbarkeit nur bedingt nachhallt. Ganz im Gegensatz zu dem einen Moment. Und wo gab's einen letzten Endes bei Es? Hmm, unter Umständen am Ende. Es war kein gruseliger oder ekliger, aber halt der innigste Stichpunkt einer Sommerbegegnung im Kollektiv, die zeitgleich Abschied von der Hilflosigkeit des Kindseins ist. Allerdings ist's echt eines der wenigen Elemente, die der Film für sich selbst zielsicher treffen kann - ansonsten umgibt er sich in eher mechanischer Amblin-Hommage mit dem, was sich Nostalgie und Angst schimpfen ließe (Tiefpunkt: Die Szene, in der Henry Bowers per Steinwurf gedemütigt wird). Da können die Kids noch so derbe untereinander juxen: Das Drumherum bestimmt jede Richtung ihrerseits ins stets beliebig inszenierte Gruselkabinett der Schockerfratzen, drängt einem geradezu nervös Retro-Popkultur auf und kommt auch charakterbezogen - bei den Vorlagen! - eben nur selten über Genre-Stereotypen hinaus. Man will doch nicht zu viel riskieren, obwohl eine höhere Altersfreigabe als die des TV-Zweiteilers bedient wird.

Tja, das ist nun also die ganze Geschichte dazu - es kam natürlich noch zu anderen Sichtungen im Verlauf der letzten 7 Tage: Ich hatte versucht, Maniacs - Die Horrorbande nach all den Jahren wieder was abzugewinnen, nachdem Siegfried Bendix mir von seinen jüngst ernüchternden Erfahrungen zum Film erzählte - die Auffrischung der Erinnerung meinerseits hat wiederum auch nicht viel zum Sinneswandel beigetragen, aber die netten Ideen der High-School-Patchwork-Clique zwischendrin glitzerten mir in HD fast ein bisschen Euphorie vor, ehe das Finale auf 30 Minuten gestreckt wurde. Dasselbe könnte man beinahe über Popstar: Never stop never stopping sagen, nur dass die Lonely-Island-Mockumentary im Sekundentakt mit Gags an mir vorbei schoss, die allesamt semi-clever auf ein Nix an verballhorntem Reunion-Pathos zusteuerte. Etwas fantasielos, aber auch wieder nur das, was man erwartet hat, also tut's keinem weh. Im berüchtigt geheimnisvollen Filmclub gab es nach langem erbitterten Hin und Her Hierankl - ein Versuch, anhand deutschen Arthouse-Topcasts aufbrausenden wie psychologischen Heimatfilm anno 2003 miteinander zu verkuppeln, was gleichermaßen in drübberen Eskalationen und naturalistischer Trivialgestik ausartet. Die Zitatkunst Josef Bierbichlers sollte man sich jedenfalls nicht entgehen lassen und Barbara Sukowa spielt ihre vielleicht beste Kristina Söderbaum. Ansonsten zeugt das an einem Wochenende ausgebadete Ballungsgebiet gelebter Lügen von eher spekulativer Erfahrungsdichte.




Wenn ich jetzt raten müsste, würde ich behaupten, dass wir am Ende des dieswöchigen Blogeintrags angekommen sind. Ach ja, was kommt denn dann nächstes Mal auf uns zu? Nun, einige Sachen aus der Bücherhalle werden garantiert noch abgearbeitet, ebenso der Fundus an zig weiteren #Japanuary-Kandidaten, die vor Monatsende noch ihren jeweiligen Zettel erhalten müssen. Gleich zu Anfang der Woche gibt's zudem wieder einen Minifilmabend, bevor sich der nächste große allmählich ankündigt. Wer weiß, was da alles laufen und hier eventuell besprochen wird? Mindestens zwei Leute und einer davon bin ich höchstselbst! Ich hoffe, ihr da draußen seid dann ebenso wieder dabei und fleißig am Lesen, bis dahin wünsche ich allesamt eine tolle Zeit, viel Gesundheit und wenig Geldsorgen - ist ja das wichtigste in dieser Gesellschaft, immer einen Job zu haben, da freuen sich auch die Leute in der Werbung ständigst. Ciao!

Sonntag, 14. Januar 2018

Tipps vom 08.01. - 14.01.2018


Liebe Leser,

nun schau mal einer an, ich habe seit langem mal wieder einen neuen Post innerhalb einer Woche nach dem letzten zusammengekriegt. Unglaublich, dass ich mir das selbst beweisen musste, aber in diesem Fall klappte es vor allem dank meiner neuesten Methodik, jede Filmbesprechung auf eine reguläre Notizseite zu beschränken - handschriftlich wohlgemerkt, damit sich nicht so viel im Nachhinein verändern ließe. Das hat doch Potenzial für die Zukunft, newa? Mir ist natürlich bewusst, dass es noch eine abgespeckte Version von dem ist, wie es zu manch anderen Zeiten hier abging, ich hoffe, dass ich da nicht euren guten Willen mit überstrapaziere. Aber nichtsdestotrotz, bevor wir uns den jüngst versammelten Empfehlungen widmen, möchte ich noch einige Bonusmaterialien erwähnen, welche ich über die Tage besonders genossen habe. In erster Instanz sei da der Audiokommentar Mike Siegels (der Mann, der immer frägt sagt) auf der neuen Blu-Ray zu Sergio Corbuccis „Leichen pflastern seinen Weg“ genannt, welcher sich recht gemütlich dem technischen Know-How und biographischen Einzelheiten jener Produktion widmet, freimütig oft ins Detail geht und den Kern damit umso größer schürt, bis dann auch noch pralle Zitate die Schnüre legen. Es zeigt sich eine ganz bescheiden agierende Liebe zum Sujet (selbst der Hinweis auf Filmfehler ist eine sehr versöhnliche Angelegenheit), gepaart mit der richtigen Portion „Ich finde es scheiße, dass...“, die ich mir dann auch spontan zur vollen Länge gab. Und dass die Abtastung einer zeitbedingt verranzten 35mm-Kopie des Films ebenso an Bord ist, stimmt umso froher.


An zweiter Stelle möchte ich sodann das Bonusmaterial der 3. Staffel „Twin Peaks“ hervorheben, an dem man gut und gerne den ganzen Tag aufopfern mag, so wie sich die Behind-the-Scenes-Impressionen des Jason S. zu knapp 5 Stunden ballen. Der Rahmen dazu gibt sich als außerweltliche Fly-on-the-Wall, was entgegen bloßen Footage-Abarbeitens einigermaßen gut als Wahrnehmungssubversion/-Obsession gen inszenierten/echten Lebens funktioniert. Ab und an wirkt es auch kitschigst verkopft, wenn es davon ausgeht, dass einem der Kontext zu allem Gezeigtem nicht bekannt wäre. Sehr stark dagegen ist der Eindruck davon, wie David Lynch Regie führt und welch Ekstase selbst dort zu Tage tritt, wie er seine Mitwirkenden in Stimmungen lockt und stürzen lässt. Zum Ende jedes fertig gedrehten Parts gibt es sodann ein Abschiedsritual und man hängt da wie jeder Anwesende mit drin in Geschehen und Emotionen. Größtenteils bleibt dieses Werk vermittelter Transfixion natürlich ein Porträt des Regisseurs an sich und da wird es intim in Überlänge, auch frustrierend bei manch Produktionsumstand. Dann ist man auch mal am Set-Runnen zuhaus, wenn die Erkenntnisse länger auf der Maloche ruhen bleiben - bei aller vorgezeigten Schaffensstärke findet man dennoch ein Gros an Inspiration, kann ich nur empfehlen. Übrigens, es gibt nun auch endlich einen Termin für die deutsche Veröffentlichung der Heimkino-Variante jener Staffel - und zwar der 22. März! Vormerken und nachmerken, jajaja!

Gut, die Geschichten sind durch, nun folgen noch zwei Erlebnisse aus meiner Welt der Träume, welche ich die Woche schon über Twitter geteilt hatte. Danach legen wir aber mit den Filmen los, versprochen - ich möchte die hier nur chronologisieren, damit ich zum Ende des Jahres nicht wieder solange nach ihnen suchen muss:


So, genug der totalen Erinnerung, jetzt kommt das Spektrum an vorbehaltsloser Empfehlung (u.a. geborgen aus dem letzten FILMABEND via Siegfried Bendix sowie dem auf Twitter und Co. stattfindenden #Japanuary) zu euch in Herz und Hirn - möchte ich jedenfalls hoffen. Dabei biete ich wieder zwei Varianten an, wie man sich diese einverleibt - einerseits kann man aufs jeweilige Bild klicken und von dort aus lesen/vergrößern, etc.; andererseits habe ich wieder eine Videovariante produziert, in die ihr unten anklicken und reinlauschen könnt, wie ich die berüchtigten Texte vorlese. Ich bin mit den Formaten noch in der Testphase und kann mir vorstellen, dass sich eins in Zukunft an dieser Stelle durchsetzen wird - oder auch ein ganz anderes? Welches nur? Müsst ihr mir sagen! Schnuppert mal rum, jetzt!^^


(Robert Sigl, 1989)

(?, 1965)

(Tetsuya Yamanouchi, 1966)

(Hideaki Anno & Shinji Higuchi, 2016)

(Karl Hartl, 1937)

(Eckhart Schmidt, 1986)

Und hier haben wir die Videovariante für jeden, der meine enorm idealisierte Handschrift beim besten Willen nicht entziffern kann und sich sowieso wundert, ob sich mein Stoff überhaupt vorlesen lässt:



BONUS! Filme, zu denen ich was zu sagen habe und die es diese Woche nicht in die reguläre Tipp-Sparte geschafft hatten oder halt noch ergänzend hier stehen, weil ich letzten Endes mehr Zeit über hatte:

DIE MÖRDER SIND UNTER UNS (Wolfgang Staudte, 1946)
Hätte ich gerne in längerer Textform empfohlen, da die Nachkriegseindrücke weit kritischer ins Mark gehen als z.B. „...UND ÜBER UNS DER HIMMEL“, doch den tief verwundeten Abgleich aus Nihilismus und Hoffnung erlebt man am besten in seiner Stimmung an sich, als dass ich diese polemisch wiedergeben müsste. Im Endeffekt halt auch trotz aller Kernigkeit wie zeithistorischen Relevanz in der Kontinuität des UFA-Stils angesiedelt, zum Schluss hin zudem etwas daneben gegangen in Sachen mutiger Darstellung (Wozu diese Modellaufnahme z.B.?).

STORM HUNTERS (Steven Quale, 2014)
Ein typisches Prozedere an Katastrophenfilm-Topoi wirbelt als souveränes Spannungsstück durch den Mittelstand Amerikas. Das heißt, dass es reichlichst um Familie geht, aber auch um mediale Reizüberflutung/Ethik, da die Wetterwissenschaft inzwischen Infotainment in allen Klassen hergibt, so wie jene Katastrophen alljährlich die USA heimsuchen. Das Klima zwischenmenschlicher Konflikte löst sich dann auch „San Andreas“ nicht unähnlich in knackigem Hypermelodram auf und bietet Handheld-Bilder an potenziellem Albtraumfutter, was weit mehr fordert als von der Tele5-Prämisse zu erwarten wäre.

HIDE YOUR SMILING FACES (Daniel Patrick Carbone, 2013)
Ach ja, der atmosphärische Konzeptfilm unter 80 Minuten. Man weiß bei dem Genre meistens schon im Voraus, dass man gen Schlussakt die Sekunden runterzählen wird, wann das Werk die Gefühlsprämisse auserzählt hat - und da ist dieses US-Indie-Kintopp nicht allzu verschieden von seinen Epigonen, auch wenn es sich engagiert auf Coming-of-Age-Stationen jener Sorte einstellt, in welcher man Tod und Verlustängste reflektiert. Das ist natürlich künstlich geballter Diskussionsstoff, im bewährten Stil der Stille gebettet, aber zeitweise authentisch im Grusel vorm Inlandselend wandernd. Die Bärenszene gibt aber den Tiefpunkt dessen ab.

DER KLEINE aka DIE STADTWÖLFE (Klaus Lemke, 1983)
Der Münchener Prototyp von Lemkes eigenem „Die Ratte“, wenn man mal davon absieht, dass keine so reißerische Triebkraft wie Thomas Kretschmann zugegen ist. Macht sich sodann naturalistischer auf die Socken, Milieus und Nacht- wie Tagbegegnungen im schnellen Erfolg auf-/untergehen zu lassen. Der Road Runner gibt dazu das perpetuum mobile auf dem Soundtrack, doch der Film kann's nicht lassen, eher strukturorientiert zu agieren, als dass er sich, seine Figuren und deren gewohnt ambivalenten Männermythos aus distanzierter Tristesse hieven kann.

DER INDIANER IM KÜCHENSCHRANK (Frank Oz, 1995)
Da hatte mich die ganze Zeit irritiert, wie doof das Hauptkind immer frontal in die Kamera glotzen musste, ansonsten war der Film ja eine schön innige Seltsamkeit an Buddy-Movie binnen des multikulturellen New Yorks. Per tricktechnischem Zauberkasten werden Grenzen und Möglichkeiten der Freundschaft gelehrt, Respekt und Zeitpunkte des Abstands, zudem es ganz nebenbei noch um die kulturhistorischen Kernsätze/Versäumnisse amerikanischer Simultanheimat geht. Hat sich gefühlsmäßig aber mehr von E.T. abgeschaut, als ihm gut getan hätte.

SKINNER ...LEBEND GEHÄUTET (Mark Herrier, 1991)
Diese Hommage ans Horrorkino der Gimmicks ist beinahe Richtung „Demoni“ oder „Matinee“ unterwegs, als waschechte Liebeserklärung zu begeistern, doch ehrlich gesagt war nur der erste Fake-Film ein Sonderschmaus, während der Rest allzu frustrierend billig abgefrühstückt wurde. Die Phantom-Der-Oper-Variante der Rahmenhandlung hätte eben nur als Gerüst für episodenhafte Topoi-Sammlungen getaugt; sobald sie für sich selbst Nervenkitzel erzeugen soll, kommt die Inspiration zu unentschlossen - mal übernatürlich, mal als Standard-Slasher. Als naives B-Movie ist POPCORN (so der Originaltitel) trotzdem nicht zu verachten.

TIGER, LÖWE, PANTHER (Dominik Graf, 1989)
Eine deutsche Fingerübung, an Woody Allen ranzukommen - hastig in seiner wortgewandten Konfrontation der Neurosen, Mann/Frau enervierend, bittet der Film den Zuschauer also, sich hinten anzustellen. Er muss nämlich jetzt sein Theater durchziehen! Die Hysterie reißt nicht ab, Regisseur Graf bleibt entsprechend flott im Schnitt und scheucht sein Ensemble kultivierter Uneinigkeit mit stets direkten Ansagen ins Amerikanische. Die Erkenntnisse sezierter Beziehungsfragen reichen von Ironie bis Frust, sind aber eher durchstilisiert denn involviert. Kann aber sein, dass an dem Film bewusst eitle Witzfiguren vorgeführt werden sollen - bin mir noch nicht so sicher.

HANNAH TAKES THE STAIRS (Joe Swanberg, 2007)
Mumblecore ohne besondere Vorkommnisse. Greta Gerwig und Mitspieler sind wie so oft bei Swanberg full frontal nude, legen dementsprechend die Seelen offen, wie weit Depressionen zurück bzw. in gegenwärtige Zweisamkeitsdilemmata (gleich 3 hintereinander) reichen. Der Gesprächsstoff dazwischen ist in seiner Beiläufigkeit leider etwas dolle distanziert und mit dem laschen Aufhänger eines TV-Writers-Room ausgestattet, umso lieber hat man die stichfesten Selbstzweifel und Strukturen hemmender Rücksichtnahme, selbst in ihrer eher sporadischen Anwesenheit. 



Huch, warum ist der Bonus nochmal so ein Riesensegment geworden? Na was solls, ich habe geliefert, ihr dürft nun entscheiden: Soll ich den Blog so in Zukunft halten? Braucht ihr bei den regulären Tipps beide Präsentationsformate oder seid ihr mit einer Variante der Empfehlungen zufrieden? Oder soll alles doch wieder so werden, wie es früher schon einmal war? Weiß ich selber grade am wenigsten, so helft mir doch auf die Sprünge, diese Beschäftigungstherapie sinnvoll zu nutzen! Wie immer meine ich es nicht so dramatisch, aber ihr wisst ja: Wer kein Feedback bekommt, wird Katzenfutter. So oder so vielen Dank, dass ihr es wieder bis hierher geschafft habt - solch treue Leser sind auch nach all den Jahren an Blog-Aktivität meinerseits stets sehr geschätzt, kann ich nicht oft genug beteuern. Stellt euch an dieser Stelle ein pochendes Herz vor und man sieht sich dann beim nächsten Mal, wenn nicht sogar zwischendurch wie gehabt auf Facebook, Twitter oder Instagram (jetzt mit Live-Lesungen zu unregelmäßigen Zeiten!).

Sonntag, 7. Januar 2018

Das Filmjahr 2017 im Rückblick


Liebe Leser,

sacht ma, was hat uns 2017 gematert, wa? Obwohl, vom Gefühl her lief es doch noch ganz geschmeidig, wenn man bedenkt wie man’s sich mit der ´16 so verkracht hatte – man musste halt ne Menge von dessen Mock jetzt ausbaden und da ist natürlich noch genug zu ackern dran. Aber musstet ihr so zig Zahn-OPs mitmachen wie meiner einer? Die waren schon der schrecklichste Stress in Quadrat. Allerdings kann man ich mich neben der übermäßigen Einspritze von Betäubungsmitteln dann doch an blockweise Schübe medialer Unterhaltung erinnern, die mich über Monate hinweg bestens bei Laune hielten. Videospiele waren wieder groß in der Gunst, Kinners, ich hatte mich von Frühling bis Sommer um den Giganten DOSHIN aufm Gamecube gekümmert – nun gegen‘s 4. Quartal führte sich zudem die Nintendo Switch mit der Odyssee SUPER MARIOS ein, dass ich in Sachen Selbstbeschäftigung hoffentlich nie zur Ruhe komme. Der junge Schreiberling hier hat nämlich inzwischen die runde 30 erreicht und man soll sich ja stets so jung fühlen wie die paar kleinen grauen Haare die man am frühen Morgen neu sprießen sieht – huch, da blitzt das Kinn auf einmal, irres Feeling! Das geht in Serie, wie’s scheint – und wie sich die Geschichte so ergibt, habe ich eine gewisse Stückzahl von DEM Format ebenso am TV oder eher anderswo online aufgelesen (einmal allgemein drüber geschrieben habe ich ebenso hier). Ein bisschen Weiterbildung in Sachen Mike Judge brachte mich für 8 Staffeln lang zum „King of the Hill“ und seine neueren „Tales from the Tour Bus“, über „Vice Principals“ hinweg ließ sich eine zweite Staffel „Stranger Things“ mit sehr bekannteren Mustern ihrerseits auf familiäre Entscheidungsgewalten ein, weshalb das große Erwachen in der Rückkehr „Twin Peaks“ dann doch unerreicht bleiben musste (obwohl der Electric-Sun-20-Prozess gegen Tim Heidecker ebenso großartig ausfiel). 

Kaffee wurde trotzdem nicht nur dort, sondern bei mir zu jeder Gelegenheit versüppelt, insbesondere als wir hier in Hamburg eine kleine Filmtruppe gründeten, die noch immer etwas in den Wehen liegt, aber trotzdem schon einige feine Stoffe ins theoretische Kintopp-Mekka schleuste. War allerdings auch unter dem Banner eines Jour Fixe aufbereitet, für den meine Wenigkeit früher als gewohnt und damit vollkoffeiniert in die Zukunft blicken durfte. Wer weiß, was 2018 da alles noch bei rauskommt. Vielleicht wieder mal mehr an Kinobesuchen (nur so 38, eine davon war immerhin eine todschicke Premiere unter Freunden) oder an Texten auf dieser Seite, denn die wurden ein bisschen vernachlässigt unter allen anderen abseitigen Aktivitäten, geb ich ja zu. Nicht, dass viele dem hinterher getrauert haben, aber vom Pflichtbewusstsein her wollte ich zumindest doch nochmal intervenieren, die Lust am Schreiben wiederentdecken. Hatte ja doch auch viele Pressevorstellungen besucht, die bis heute auf ein Feedback meinerseits hoffen dürften. In diesem Sinne habe ich den besten Zeitpunkt erwischt, da die Zeit des Jahresrückblicks in den Fingern des Online-Bloggers geschrieben steht! Also habe ich die letzten Wochen im Dezember genutzt, alles Revue passieren zu lassen (und ggnf. einiges soweit es ging nachzuholen), was 2017 im Kino lief (bereits 2016 gesehenes ist da leider raus), oder auch nur Direct-To-DVD rauskam, (wo auch immer in der Welt) On-Demand verfügbar war und im Festival-/Presserahmen vorstellig wurde. Die Auswahl ist bestimmt nicht für jedermann legitim, was derjenige eventuell für OFFIZIELL 2017 hält, aber ist doch wurscht, den verpeilten Vertriebswegen weltweit könnte man doch eh mal das Augenlid aufklappen, was das Optimum an Verfügbarkeit angeht. 


Bis dahin ziehe ich Bilanz im Gegenwärtigen, schließlich ist’s ja nicht mal so, als ob ich alles gesehen hätte aus den letzten 12 Monaten – endgültig ist halt nur der Tod, aber mein Gimmick dieses Mal hat schon fast was von der Geschichte Mose‘, denn auf einem echten Stück Papier verewigt stehen meine Meinungen nun gleich vor euch. Immerzu 2 Filme nebeneinander habe ich in mein Notizbuch à A5-Seiten auf ihre Wirkung oder Qualitäten hin zusammengefasst. Meine Sauklaue habe ich an gewissen Stellen nochmal etwas korrigiert, damit ihr euch nicht zu sehr einen bei der Identifizierung von Buchstaben abmüht, aber die gefällige Computerschreibe ist da trotzdem noch weit von ab. Muss halt was Besonderes sein und ist insofern nur schlüssig, wenn nicht unbedingt jeder was bisher mit meinem Zeugs was anzufangen wusste. Immerhin habe ich es in Videoform umgesetzt – ansonsten habe ich danach noch so manchen Schwank zu erzählen, könnt ihr ja runterscrollen, es gibt Top Tens, kleine Extrageschichten, Reposts von Sachen, die außerhalb des Blogs noch für Furore sorgten und 1,2 ergänzende Kritiken oder so – vielleicht schmuggelt sich unter all dem auch noch ein bisschen Kunst! Man liest sich, jetzt, gleich oder wann auch immer – freut mich auf jeden Fall, dass ihr irgendwie dabei seid, nett von euch! Nun aber erstmal viel Spaß mit den Filmstullen 2017, bringt etwas mehr als eine Stunde Zeit dafür mit:



Tja, das waren doch jetzt ganz schön viele Eindrücke aus der flotten `17, hattet ihr alle aufgestellten Kandidaten gekannt? Wie dem auch sei, ein jeder würde an dieser Stelle bestimmt noch nachfragen wollen, welche mir von diesen denn gegenwärtig am liebsten waren (zu den schlimmsten muss man glaub ich nichts mehr sagen) – da lass ich doch gerne aufklären, klar, ihr sollt nicht umsonst so weit gekommen sein.

10. POWER RANGERS

9. JIM AND ANDY: THE GREAT BEYOND

8. GET OUT

7. THE WAILING – DIE BESESSENEN

6. DIE TASCHENDIEBIN

5. DIE VERSUNKENE STADT Z

4. WESTERN, 3. GOOD TIME

2. THE FLORIDA PROJECT

1. BRAWL IN CELL BLOCK 99


Und wisst ihr was? Letztes Jahr hatte ich an dieser Stelle auch meine liebsten Erstsichtungen des Jahres genannt, also Filme, die so gar nix mit der aktuellen Spannweite, in unserem heutigen Fall also 2016-2018 etc., zu tun haben. Einige habe ich bis zur Mitte des Jahres auch hier besprochen, aber andere danach wiederum nicht, obwohl so viele schöne dabei waren. Dieses Jahr versuche ich wieder die regelmäßigere Vermittlung derer an euch, aber ehedem kriegt ihr hier eine weitere schöne Liste aufgetischt, was sich zu 25 Stücken herzlichst in meinen Fundus verirrte und auch an euch empfohlen werden dürfte:

DIE SCHÖNE UND DAS UNGEHEUER (Juraj Herz, 1978)
CATHY'S FLUCH (Eddy Matalon, 1977)
THE LOVELESS (Kathryn Bigelow und Monty Montgomery, 1981)
I AM HERE...NOW (Neil Breen, 2009)
HIMMELSKÖRPER (Lawrence Dane, 1984)
VIER STUNDEN VON ELBE 1 (Eberhard Fechner, 1968)
DIE LIEBENDEN (Louis Malle, 1958)
FRANKENSTEIN MEETS THE SPACEMONSTER (Robert Gaffney, 1965)
UNHEIMLICHE BEGEGNUNG (George P. Cosmatos, 1983)
DIE FERIEN DES MONSIEUR HULOT (Jacques Tati, 1953)
DAS BROT DES BÄCKERS (Erwin Keusch, 1976)
DIRTY TIGER (Amin Q. Chaudhri, 1988)
ZAZIE (Louis Malle, 1960)
GEFÄHRLICHE BRANDUNG (Kathryn Bigelow, 1991)
SATISFACTION (Joan Freeman, 1988)
BLOOD FEAST (Herschell Gordon Lewis, 1963)
DAS NORTHVILLE MASSAKER (William Dear und Thomas L. Dyke, 1976)
DIE ABFAHRER (Adolf Winkelmann, 1978)
DER TEUFEL VON KAPSTADT (Hermann Kugelstadt, Alfredo Medori und Wolfgang Schleif, 1962)
HINTER KLOSTERMAUERN (Harald Reinl, 1952)
IM HERZEN DES HURRICAN (Hark Bohm, 1980)
EMANUELLE - INSEL OHNE TABUS (Enzo D'Ambrosio und Humberto Morales, 1976)
DRAGON BLADE (Daniel Lee, 2015)


Im Grunde ist das aber auch nur eine kleine Auswahl unter vielen Schätzen, die bei Filmabenden und anderen Großereignissen freundschaftlicher Vorführung gefunden wurden (man erinnere sich an die Großaktion VOTE THE FILMABEND, deren riesige Twitter-Wählerkampagne sowie dem schockierenden Endergebnis!) – wenn ich da wirklich alles Sehenswerte auftischen würde, bleibt danach ja gleich die Frage „Warum?“ da stehen, woraufhin ich keine Texte zum Beweis vorlegen könnte. Das wäre doof!

Zumindest von zweien jener Filmabende, die einstweilen wieder Siegfried Bendix veranstaltete, hatte ich noch die eine oder andere Randnotiz aufgeschrieben. Diese bisher unveröffentlichten Schriftstücke möchte ich euch ungern vorenthalten:

Vom 11. Juni 2017: Freunde, ich muss euch davon berichten, welche konstant guten Filme mir gestern wieder beim Filmabend unter Leitung von Siegfried Bendix binnen Hirn wie Herz verpflanzt wurden, natürlich hauptsächlich aus den 80ern!

Mit Kevin Reynolds' „Fandango“ hatten wir unverhofft (kommt oft) einen Film der jüngst verstorbenen Glenne Headly erwischt, doch die innere Tour an sich - im Rückblick auf die Einberufungs-Zukunftsängste Richtung Vietnam nochmal so richtig die Sau rauslassend - via extrem gewitzten (!) Kevin Costner und Co. ist so lebhaft ausgefallen, da ist Abenteuer und Action nicht nur reine Floskel - passend dazu erweitert einen der Wortschatz der deutschen Synchro den Horizont, was es an Quarkomaten und allerlei bislang noch zu sagen gab!

Gleich danach tourte unsereins durch den „River of Death“ Steve Carvers, wo gleichsam Tierwelt, Sonnenuntergänge und Retro-Zeitkolorit (1945-1965) in die Abenteuer-Kolportage lockten. Michael Dudikoff als Haudegen ergab eine drollige Marke, die Dschungelatmo ein Pendel zwischen Lohn der Angst, Jodorowsky, Inka-Man und Apocalypse Now - irre, dass da im Kampf gegen Altnazis trotzdem eher ein Antiklimax geborgen wurde, aber die dramaturgischen Eigenarten sind ja durchweg Eiscreme pur. Wir hatten übrigens auch Eiscreme in der Bude.

Film Nr. 300 im Rahmen unserer kontinuierlichen Veranstaltung hätte nicht besser ausgewählt werden können: John Carl Buechlers „Troll“, ein gewitztes Fantasy-Horror-Kammerspiel inmitten der Harry-Potter-Sippe, bei dem sich die Situationskomiken so beiläufig und doch irrwitzig ballen, wie einen auch nach der x-ten Wiederbegegnung jede Kreatur anekelt - selbst wenn diese niedlich sein soll. Mrs. St. Clair in jung und alt teilt zudem gut aus, Michael Moriarty die kugeligsten Papa-Peinlichkeiten, die kleine Wendy totalen Burgerfresser-Scheißgör-Fun. Es wird zum Ende hin etwas doll ungelenk mit dem Ranken-Spuk, aber solche Makel bleiben eh eher sympathisch hängen; genauso wie einige neue Kernsätze, siehe „Aber das ist doch ein Champignon“.

Die vierte Runde am Abend wurde James Landis' „The Sadist“ reingeschickt, ein Film, wo uns Stabsangaben und Co. (vermeintlich) neu waren, immerhin mit Kameramann William Zsigmond am Start, der zusammen mit der Prämisse im Grunde ziemlich modernes Spannungskino-in-one-place zu stilisieren wüsste. ABER obwohl 1963 sicherlich schon weit mehr ging in Sachen cineastischer Psychologisierung, waren die ideologische Anklagen gegen den terrorisierenden Psycho im Mittelpunkt erstmal sehr platt - und dann war jener (Arch Hall Jr.) auch noch der drübberste Macker; den konnte man 0 für voll nehmen, es war ein Lachknüller vom Anfang bis zum Ende. Wir mussten aber auch zwischendurch unterbrechen, denn die Leute von Pizza Max waren nach nicht mal 20 Minuten nach Bestellung bei uns vor Ort. Lecker!

Es ging daraufhin wieder mit den Rädern ins Gefecht, denn Tom Donnellys „Quicksilver“ brachte Kevin Bacon und Kurierkollegen auf den Sattel sowie in die Pedale. Innerhalb von fast 2 Stunden Fahrzeit wurden da jedoch krasse Stimmungen durchprobiert, als wär's ein Querschnitt des gewohnten Filmabendprinzips: Erst heiter in den 80ern, musikalisch-montiert und mit kecken Typen in der Startposition, dann mit Crime-Elementen und dramatischen Milieu-Studien/-Romantiken zur Börsen-Yuppie-Reagonomics-Parabel bleiernd, bis am Ende die fieseste Räudenaction abgezogen wird. Schade, dass Donnelly danach wohl nicht mehr allzu Bedeutendes zu erzählen hatte.

Mit der sechsten Begegnung kam dann die Ansage: „Alpha City – Abgerechnet wird nachts“. Das Kraftwerk via Eckhart Schmidt macht sich mit Claude-Oliver Rudolph so roh und dick, dass man sofort in der Dichte gefährlichster Liebe stecken bleiben will. Eine brennend dynamische Süchtigkeit, die sich in der Durchforstung von Clubs, Hotels, Knasthöfen und allerlei verliert, um sich am größten Fang der Stadt, Raphaela, beweisen zu können. Kaputte Typen deluxe, gefangen in schaurigen Selbstverständlichkeiten sowie einem Berlin gnadenloser Schnitte und Perspektiven. Alle kanzeln sich gegenseitig ab, doch deren brutales Dunkel ist trotz Stilisierung (erst recht im Dialog) die Sprengkraft an Lebendigkeit, sogar mehr noch als „Fandango“.

Weils an solchen Abenden aber immer einen Absacker gibt, traf es zu guter Letzt „Vamp“, dass der so am wenigsten beachtet wurde. Aber selbst schuld, denn jene Vermengung an College-Deppen-Humor und Neon-Vampir-Chic hat eben einfach nur so seine Handvoll Ideen, die in dem Leerlauf an pubertären Belanglosigkeiten jede Stringenz vermissen lassen. Grün und Pink haben sich als allgegenwärtige Farbgebung eben auch schnell entschlüsselt - und so bissbefreit, wie das Strip-Milieu auf seine misogynen Schauwerte runtergebrochen wird, ist man ohnehin besser mit dem Kurzweil von „From Dusk Till Dawn“ beraten. Die markante Grace Jones darf dementsprechend so gut wie gar nix machen, die um sie hier erbaute Exzentrik wirkt da erst recht schier behauptet. Gut, dass Siggis Katze dann wieder öfter vorbeigeschaut hatte, gab's doch noch Unterhaltungswerte!
So, das war das Resümee, mes amis! Nächstes Mal bin ich wieder mit der Filmauswahl beauftragt, wünscht mir Glück, dass jenes Ensemble einen auch so entzückend durch den Abend begleiten, verstören, begeistern und amüsieren kann!

Vom 6. August 2017: Wow, dieser gestrige, von Siegfried Bendix kuratierte Filmabend! Ein kleiner Bericht dazu, weil ich mich danach so fühle, als ob 1 Konzert das Hirn durchgerädert hätte: Top-10-Highlights (teilweise aus altbekannten Lagern), neue Absurditäten im Ultrarausch und natürlich 1 1/2 Programmplätze mit dem Absacker-/Rausschmeißer-Syndrom im Rückenmark; hier ging innerhalb von knapp 12 Stunden so einiges!

Step Up 3D – Make your move“ gab den idealen Auftakt, wieder von Jon M. Chu in eine familiäre Runde an *Schmetterlingen im Bauch* tänzelnd - per 3D-Faktor mit verspielter Marke auf Hyperchoreos, den Filmemacher-Dream sowie den Ausbruch aus der FriendZone hinsteuernd, während sich obdachlose Dancekönige ein ultra ausgestattetes Lagerhaus (nicht) leisten können, für den World Jam proben und als Pirates gegen das Haus der Samurais antreten. Moose und Ladyfriend Camille kriegen sich da irgendwann auch in die Wolle, machen später aber eine schön lange Steadicam-Fahrt lang das New-York-Musical wieder salonfähig, dass „La La Land“ vor Neid einkäckert. Besser als die Vorgänger auch: Die Musikauswahl, ließ sogar Alicia Keys Empire State of Mind ordentlich lang ausspielen! Honk-Dialoge sind ebenso zahlreich auf der Tonspur vorhanden und das dramaturgische 1x1 weiß einige effektive Kniffe anzuwenden, die den bisher besten Step Up bilden.

Patrick Swayze kehrte daraufhin als Geächteter „Dirty Tiger“ ins Americana-Kaff zurück und weil ein gewisser Amin Q. Chaudhri diesen Film zu verantworten hat, ist die Perspektive darauf schlicht nicht von dieser Welt: Eine melodramatische Überforderung, bei der sich jede Szene in den Stimmungen verirrt, Handlungen und Figurennetze mit stets scharf geladenem Doppelschrot zusammentreibt! Verdammt impulsiv und in der Menschlichkeit dementsprechend kurios wie konfus, in eine so irritierend wehleidige Sippe hineinheiratend, dass sich diese pro Minute mehrmals auf den Kopf stellen kann oder katatonisch in der Bude hockt. Permanent drückt der Score zudem ein Schicksal auf, dass die Katharsis eines Douglas Sirk heraufbeschwören will, stattdessen in provinziellen Hackfressen landet, die auf der Reunion-Disco Schwangere umkippen lassen, später Rocker zum Tiger-Dreschen engagieren und sowieso darum buhlen, wie „eine schöne Beerdigung“ die Familie wieder einen könnte. Nicht eine Sekunde wird da belanglos, so stark das alles via Untiefen (u.a. inzestuös) bis zur Hirnschmelze verwundert, mit Fieber auf das Inferno der Herzlichkeiten zurennt.

Ach ja, dann gab's die Sache mit dem „Robot Jox“ - jene Schlacht der Stahlgiganten wusste große Ambitionen in eine Empire-Produktion zu packen; Regisseur Stuart Gordon hat sich da auch bemüht, alles aus dem denkbar begrenzten Budget herauszuholen. Für die Spielfilmlänge muss man aber auch halbwegs kaschierte Längen der Unausgegorenheit in Kauf nehmen, die immer wieder einen Ansatz für die potenzielle Sci-Fi-Satire à la Verhoeven, den Einblick in eine Dystopie voll weltpolitischer Territorial-Entscheidungen via Robotermatch bieten. Hat aber auch was für sich, dass der Film jene Fehler der Weltordnung/-zerstörung eher beiläufig auflöst, die Prozesse weitgehend nüchtern und für sich selbstverständlich in die Samstagskloppe leitet, wo man US-Kämpfer Achilles u.a. vorher einen Feigling schimpft, weil er nach dem Unfalltod 300er Zuschauer schlicht keinen Bock mehr hat. Spione und Test Tube Fighters gesellen sich noch zur Macho-Sackgasse, die sich zur Sinnlosigkeit des Kämpfens verabredet, eine umso schönere, archaische Schlussnote findet.

Der Höhepunkt kam zur Mitte, es war „Ein komischer Heiliger“ zugegen - einer dieser schönen Klaus-Lemke-Filme, in denen Cleo Kretschmer und Wolfgang Fierek durch München gurken, mehrere dolle Schnapsideen in Angriff nehmen und sich stets so drollig kontrastieren, dass da eine Beziehungsfrage zwischen Bibeljünger und Kneipenhure entsteht. Die jeweils wechselnden Bekehrungsversuche kriegen dermaßen viel vom Umgang beider (selbst schon plan- bis hilflos wirkender) Hauptdarsteller mit auf den Weg, dass man nicht aus dem Lachen rauskommt, eine Erfrischung ganz dem Sommer entsprechend abkriegt, während die Zwei Bahnhofsmissionen, Krankenhäuser, Vergnügungsviertel und Klamotten nach Grad der *Bequemlichkeit* abklappern. Liebenswerte Chaoten sind ja nichts Seltenes, auch nicht im deutschen Kino, aber die unvergleichbare Note hiesigen Duos ist in Sachen Frechheit, Naivität und Alltagsimprovisation doch nochmal eine dicke Spur wahrhaftiger. Außerdem kam zu dem Zeitpunkt auch unser bestelltes Abendessen vorbei!

Weiter fetzen sollte dann auch die „Killer Party“, doch jenes kanadische Exemplar an 80er-Horrorkomödienkultur scheint sich teilweise doch stark selbst aus dem Weg zu gehen. Anfangs bekommt man hingegen noch Filme-im-Film auf die Hirnrinde eingejuxt, Sequenzen der Genre-Ekstase zielsicher, doch beim Hauptplot der Aprilscherze gen College fehlt irgendwie wieder jene Dynamik ins Abwegige. Klar, es wird in einer Tour geprankt, aber das Prozedere deckt sich eher so brav mit Konventionen ein, dass man allmählich die Minuten herunterzählt. Immerhin ist das noch immer weit weniger am Nerven/Langweilen als solche offensiven Pansen wie „Vamp“ und die versammelten Schwesternschaften haben ohnehin eine luftige Attraktion inne, dass der Film gerne eher mit denen abhängt. Am Ende wird's zudem dämonisch und mörderisch (wie 1 blutleerer Evil-Dead-Abklatsch), aber irgendwie auch so null schlüssig, was sich aus dem ganzen Budenzauber ablesen sollte, erst recht in einem Genre und Jahrzehnt voller Knalleffekte. Naja, trotzdem: These are the best times of our lives, 2 Ohrwürmer pro Film schafft ja auch nicht jeder!

Es ging dann nochmal ein bisschen weiter zurück in Sachen Horror - Gore-Meilenstein „Blood Feast“ von Herschell Gordon Lewis durfte bewundert werden, doch viel aufregender als die versammelten Grausamkeiten (mit krassem DIY-Charme) waren die Frische der *unbeholfenen* Inszenierung, die Dialoge in ihrer aufgeregten Verschleppung und Reiterationsgeilheit („vor 5000 Jahren!“), die Phrasen und Gesten der 60er mit Rollenmodellen des Camp, diese von Lewis selbst komponierten Wikinger-Trommeln und Orgelbahnen - alles gepaart mit jenen abstrus harschen Gewaltszenarien und der überaus himmlisch beknackten Konklusion sowieso. Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass hier schon die ersten Runden an Alkohol bemüht wurden, aber auch ohne den Party-Faktor würde diese urige Horrorschau eine sympathische Figur machen - und das mit einer waschechten Barbie als Hauptopfer!

Das Schlusslicht des Abends und in dem Sinne der ideale Rausschmeißer war sodann trotz Christian Slater und Milla Jovovich mit „Kuffs – Ein Kerl zum Schießen“ gefunden. Ich meine, ist ja schon ein Krampf, dass Harold Faltermeyer hier auf dem Score nichts anderes kann, als seine Axel-F.-Theme-Variation x-mal runterzuleiern, aber hey, passt ja zum Protagonisten, der ach so innovativ dauernd die vierte Wand bricht, um als Ferris-Bueller-Ersatz den normalsten Cop-Scheiß binnen San Francisco zu unterwandern (oder wie man die Anpassung daran, hin zu Recht/Ordnung/Frau/Baby, noch so nennen mag). Hey man, wow, was ein Jungspund, der dann auch einige stilistische *Neuheiten* der 90er auf den Weg mitbekommt, wahrscheinlich als 'Baby Driver' seiner Zeit auf eine permanente Pose der Coolness geeicht ist, von deren pubertierischem Humor man aber schneller die Schnauze voll hat, als man kultverdächtig und tendenziell misogyn aufsagen kann. Dumpfe Zoten und dramaturgische Nichtigkeiten sind da mit inbegriffen, ebenfalls einige nicht bloß zufällig gewitzte Ideen und Hundepartner Django, aber reicht dann auch nach 100 Minuten, die sich zentral wiederum mit den urältesten, trockenen Bösewicht- und Korruptionsbelanglosigkeiten beschäftigten - wie beim Baywatch-Film, urgh.

Sei's drum, das war's wert, Leute!!! Und sowieso: Der nächste Filmabend steigt hoffentlich noch diesen Monat wieder bei mir, ich feile noch am Konzept dazu, aber die Auswahl ist jetzt schon ein Himmelfahrtskommando, nach dem wahrscheinlich keiner mehr die Augen zukriegt - See you there!


Ganz schön was los, can you dig it? Die letzten 3 Filmabende im Jahr hatten wir sogar richtig Event-mäßig aufgezogen – und da sind diese extra angefertigten Poster bestimmt ein doller Beweis für!


Aber drei Texte hatte ich auch so noch über, welche seit meinen letzten hier getätigten Post, den Geschichten aus dem Sommerloch, zustande kamen. Lass ma schmökern!




FÜNF BLUTIGE STRICKE - So, ich habs seit Ewigkeiten mal wieder ins Metropolis geschafft und wie angekündigt die erste Installation des Bizarre-Cinema-Dezembers beschaut! Mein Foto ist sodann der gewohnten Rotstichigkeit der 35mm-Kopie nachempfunden, doch für einen Italowestern von dem Kaliber war das sogar ganz passend! Antonio Margheriti treibt hierin Richard Harrison schnörkellos (man darf auch doll konventionell sagen) auf Rache an - wie später auch als NINJA-JÄGER verteilt der Herr hier als 'Rocco' FÜNF BLUTIGE STRICKE unter den Mördern seines Kumpels Ricky, wandert von Kaff zu Kaff, stellt sich mal provokant wie ballertalentiert an die Bar, dann ins Sheriffsbüro, bandelt alle paar Meter auf streng behaupteter Beziehungsbasis mit der Kneipenhostesse Miss Jane an. Bei dem straffen Vorgehen voll planloser Schergen und tödlichen Pokerspielen, hin zur Sonnenglut des blind folternden Werner Pochath (als The Kid) - inkl. Bier/Schussduellen und sexploitiger Unterwäscheparade Špela Rozins -, entpuppt sich unser Held zudem als desillusionierter Halbblut-Indianer. Im Finale unter Totgeglaubten geht er zudem fiebrig in den Verästelungen der Unterwelt auf, einem Sarg bzw. einer Gruft aus Schwefel, Dynamit und Gold. Hier ist keine Katharsis vorfindbar, ebenso keinerlei anderweitige Spielereien binnen des Schmerz an Geradlinigkeit, dafür filmisches Geschick nahe des Gruselns im Nichts, welches Margheriti mehr als oft glückte. Ein bewusst (un)befriedigender Blick auf den Mythos hallt im Bleischrei nach, bei dem aber die vielen Charakternasen und Eigenarten im Whiskyrausch/Totengräber-Kleinunternehmer-Tratsch und allerlei trotzdem nicht witzlos ausbleiben - man siehe allein den Titelsong mit seinen Sprachfetzen der Beschwörung, die angekündigten Leichen in der Präsenz der Dame im Kartendeck oder eben auch die aus einer offenbar vollends fremdartigen (16mm? Anderer Film?) Quelle eingefügte Schlusseinstellung, die das Metropolis präsentierte. Glad to be back.




OSTFRIESISCH FÜR ANFÄNGER - Als seichte, stereotype und durchgefördert-überraschungsbefreite Provinzkomödie dazustehen, die ihr Lokalkolorit genauso behauptet zur Inszenierung nutzt wie ihre jeweiligen Charaktereigenschaften gen null - das wäre ja nur eine Sache. Das billigende Zeugnis einer nach rechts rückenden Stimmungslage abzugeben, welche sich gefällig darin gibt, die Integration von Ausländern als Weg äußerer wie innerer Gleichschaltung zu definieren und jene Menschen erst zu dulden, gar sympathisieren, sofern DIENSTLEISTUNG deren vorrangigster Lebenssinn darstellt - das gibt Gregory Kirchhoffs Film was von dem braunen Anstrich, der seit dem 24.09.2017 offiziell mit im Bundestag sitzen darf...oder auch an Martin Schulz' Plattmacherthese Arbeit <-> Sprache <-> Freundschaft erinnert. Das abgehängte und verschuldete Vorurteilskonzentrat von nebenan via Didi kriegt dabei die Feelgood-Note auf den Weg, dass er sich als kleiner Mann vom Franchise-Apparat und dessen Konformität der Globalisierung emanzipieren darf, stattdessen weltweit die Konformität seines traditionsbewussten Dorfmiefs als Mr. UWE-Hinrichs-Marke verschifft, obwohl da Miniaturschiffsingenieur Abdullelah natürlich die ganze Arbeit für reinsteckt (nächster Schritt Outsourcing?). Währenddessen guckt jede hier vertretene Bürokratenkarikatur neoliberal-weltfremd aus der Wäsche, zudem sie ihre Integrationsteilnehmer erst per Plattdeutsch-Deckel-für-jeden-Topf zu Staatsdienern normativster Güte erklären kann, aber genauso lernen muss: Plattdeutsch ist ebenso deutsch, hört ihr dat von da oben noch? Der dennoch ans Neoliberale angepasste Film zelebriert die flächendeckende Weisung der Anpassung zudem stilistisch wie dramaturgisch so gelangweilt wie er nur kann, dass er selbst für rassistische Alltagsfloskeln und Übergriffe keine sonderlich kritische Aufregung evozieren will, dem Zielpublikum zuliebe. Läuft halt alles glatt und volkstümlich-skurril nach TV-Einheitsformat inkl. einer Mindestmenge reumütigen Zusammen-sind-wir-stark/Familie-Sentiments - aber hey, einmal sieht man sogar Didis Pimmel (huch)! Alles insgesamt also quasi "Da wird man ja wohl noch als Deutscher über uns selbst (und alle anderen) lachen dürfen!", wobei ab und an auch ankommen soll, dass das Gefühl der Überfremdung von illusorischem (laut Film aber auch verständlichem, weil partout um Verlustängste ringendem) Ego aus Trotz herrührt und sich stattdessen für Toleranz begeistern sollte - sagt zumindest ein Plakat in diesem formvollendet plakativen Referenzbeispiel Ressentiments-wiederkäuender und Reflexionsbedürfnis-verwässernder Culture-Clash-Klamotten.




THE SQUARE - Ist schon komisch, dass „The Square“ trotz 142 Minuten Laufzeit so kurzweilig ausgefallen ist, obwohl Östlund die eigene Filterblase - vom Inhaltlichen her sowie für seine Verhältnisse - eher hemdsärmelig und ideenarm aufrüttelt, sie teilweise bestätigt. Exemplarische Zutaten gefällig? Man bedenke allein die idealisierte Sicht auf eine offenbar humanitär-populistische Presse, das klischeebehaftete Bild vom Yuppie-Jungunternehmer, den Familie und Kollegen vernachlässigen Ego-Workaholic sowie den unvermeidlichen Handlungsstrang zur aktuellen Empörungskultur, welcher von Oliver Stone und Konsorten stammen könnte. Ganz zu schweigen vom alles ausformulierenden Mann/Frau/Machtposition-Dialog zwischen Östlund-Alter-Ego Claes Bang und Elisabeth Moss, der allenfalls gehobenem Rom-Com-Standard entspricht und nur dadurch kaschiert wird, dass der alltägliche Voyeurismus im Gegenschnitt mitschaut/uns als Zuschauer erwischt (großes Plus dagegen deren prä- wie postkoitale Vertrauenskonflikte). Schwerstes Manko allerdings: Warum torpediert der Film sein Narrativ Zu-spät-kommender/heuchlerischer-Menschlichkeit zudem per gen rechts retardierenden Chicken-Ciabatta-Gags, Antanztricks-Äquivalenten & Brüllaffen-Tiervergleichen, sobald er die Pole vom Bettlerleiden und eitlen Wegschauen der Elite kontrastiert? Jene Vorurteile sowie deren Lächerlichkeit werden der bewussten politischen Unkorrektheit wegen nicht gebrochen, im Gegenzug erlebt die übergreifende Sehnsucht Zurück zu den Wurzeln/zur Natur da jedoch eine schwere Geburt, wenn für deren jeweilige Begriffe der Gerechtigkeit wieder (Ober-)Grenzen am beidseitigen Rande des Gewaltamoks festgestellt (zumindest später nochmal hinterfragt) werden - Endstation Nihilismus? Gut, meistens reicht es noch für Bilder von wohlhabenden Menschen, die an Obdachlosen vorbeigehen - immer und immer wieder, weils vielleicht nicht jeder beim ersten Mal versteht. Der Sog moralischer Hypothesen dorthin macht ja zugegebenermaßen dennoch durchweg Laune, findet dafür steile/tiefe Treppengeländer sozialer Miseren sowie einen kollektiven Staffellauf an (in ihrer Inkonsequenz sowieso emotional geißelnden) Schuldgeständnissen und Selbstjustizeinbahnstraßen, dass genug Fragen des eigenen Handelns im Nachhinein über bleiben. Ist eben die ambivalente Qualität des Squares, dass er viele Wahrheiten in simplifizierter Form einpasst, nach und nach greifbar macht. Doch der Film selbst weiß die im kontemporären Gesellschaftsbild eingeflochtenen Widersprüche der Kurzsichtigkeit eben eher nur via flacher Vorführung zu reihen, als dass er einen konkreten Gegenangriff wie jenen gegenüber Östlund-Surrogat Nr. 2 Oleg provozieren könnte - es mangelt schlicht an echtem Mut binnen des inneren wie äußeren Kunstgewerbes. Klar, immer noch differenzierter und reichhaltiger gelungen, als ausschließlich Auf's Maul zu verlangen, aber die spürbare Nähe zum Nachklang eines „Fight Club“ hätte mMn weit entschiedener vermieden werden können - siehe „Höhere Gewalt“.




Den sah ich übrigens auf dem FILMFEST HAMBURG 2017, wobei ich zu meiner Schande zugeben muss, dass ich diesmal nicht Vollzeit mit am Start war, auch gleich alles davon mitzunehmen. Drei Erinnerungen in Sachen Podiumsdiskussionen habe ich aber gerade auch nochmal aus meinen Überlieferungen rausgekramt, ähem:

Vom 10. Oktober 2017: Meine bislang einzige Erfahrung mit dem Programm des #FFHH2017 (ehe ich Donnerstag dort auch endlich mal einen Film sehen werde) war letzten Sonntag eine Diskussionsrunde zum Thema WELTVERTRIEB, u.a. mit Vertretern von ARRI. Ein einziges, bekanntes Trauerspiel ohne Momente des Hinterfragens binnen jener Beteiligten (abseits einiger Publikumsfragen), wenn sich die hiesige Filmwirtschaft und deren externe Kräfte selbst erklären wollen: Für diesen und jenen Verleiher passen wir uns an, nur der gewisse Prestige-Stoff wird in der Vorproduktion gefördert und verschlimmbessert, den internationalen Kunden werden ausschließlich die bekannten Erfolgsrezepte vorgestellt (Flüchtlingsthematiken laufen in Europa angeblich gen null z.B.) und gefreut wird sich vor allem über Glücksgriffe wie „Highway to Hellas“ (sinngemäß "da wurde sich über Griechen, aber auch über Deutsche lustig gemacht und das fanden alle gut") oder „Über Barbarossaplatz“, die anhand ihrer Plakativität schon derart geglättet sind, solche Entscheider zu erreichen, die vom Filmschaffen an sich keinen blassen Schimmer haben. Genau die Leute (wussten teilweise nix von länderspezifischer Zensur, verkaufen dem Publikum jene Erfahrung aber als Neuheit) hängen in den Gremien, hier dann auf der Bühne ab und schämen sich in ihrer Mutlosigkeit regelrecht vor einem differenzierteren Filmangebot, vor Werken außerhalb jeweiliger Normen, dass es sogar zu Aussagen kommt wie "Da kann der Film auch 3 bayrische Filmpreise gewonnen haben, der wird garantiert nur hier laufen.", mäßig sowieso, aber zumindest könnte man ausnahmsweise einen Oscar anpeilen. Aber bringt ja eh nix, weil wir mit gesichtslosen Kinderfilmen schneller UND hauptsächlich die Kohlen verdienen. Mich betrübt es ja durchaus noch, solche neoliberalen Spießerattitüden innerhalb der Filmwelt immer wieder mal bestätigt zu sehen. Da kann man sich gerade so noch freuen, wenn wie heute bekanntgegeben wird, dass beim Regiepreis Metropolis nicht nur unmögliche Klappspaten wie Lars Montag und Til Schweiger nominiert, sondern auch die cineastischen Großtaten eines Roland Klick gewürdigt werden.

Wer gestern Abend jenen Zettel (siehe Detailshot) vor Ort und ohne Ticket voller Entsetzen in sich hinein lesen musste, hatte leider die Arschkarte gezogen, denn #thefloridaproject war ein Knallbonbon! Im von Natur aus übertriebenen Staate Florida wird selbst der soziale Bodensatz Spielplatz, in den Regisseur Sean Baker vielerlei kontemporäre Stadien des Elends einbauen kann, gleichsam optimistisch kindische Albernheiten en masse vom Zaun bricht. Passiert zudem in einem beiläufigen Kurzweil, der sich emotionalem Händehalten konsequent verweigert und so leicht im Alltag der Daseinskonflikte schlendert, wie er im Nachhinein auch mehrere Bomben anhand dessen zünden kann. Willem Dafoe, die Kids und Mutti Halley sind da ohnehin die drolligste Zündschnur am Dauerbrennen! Tja und wer's gestern nicht sehen konnte, muss bis März 2018 auf den hiesigen Kinostart warten, upsi daisy.
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Vom 13. Oktober 2017: Eine positive Wende hatte das #FFHH2017 für mich gestern ja nicht nur dem „Florida Project“ wegen, sondern auch anhand der „Klappe-Auf“-Gesprächsrunde mit Joya Thome im Festzelt erreicht. Per Crowdfunding und anderen kleinen Quellen einen freien (auf Verdacht sag ich auch mal: guten) Kinderfilm drehen, alle gewollten Ideen umsetzen, authentisch casten können und dabei offenbar noch in durchweg lockerer Stimmung verbleiben, da die finanzielle Bindung hinter der kreativen steht: Digga, die Frau lebt das Leben, welches wir uns immer vorstellen und das nicht bloß irgendwelchen Nepotismus wegen. Solche Erfolgsgeschichten machen mich happy, eben dass es außerhalb der Wirtschaftsgeilheit doch noch was werden könnte mit der hiesigen Filmlandschaft.

Vom selben Tag: Habt ihr dieses #FFHH auch wieder kuriose Publikumsfragen/-Anmerkungen mitgekriegt? Bei „Königin von Niendorf“ z.B. hatte ein etwas betagterer Geselle kritisiert, dass Erwachsene im Film vor Kindern Bier trinken und dass es gar nicht ginge, die mit Zigaretten zu zeigen (in Wirklichkeit habens zwei 24-jährige im Film gemacht) - und die gefährliche Mutprobe, dazu fiele ihm gar nichts mehr ein, absolut nichts für seine Enkelkinder, der Film; „Lesen Sie mal Kalle Blomquist!“ etc. Lupenreines Napolablabla halt. Und Joya Thome nur so: „Menschen in meinem Umfeld rauchen, auch als ich klein war.“


Aber es bestand trotz alledem noch Anlass zum Träumen, mit Filmbezug, wer hätte das gedacht! Einiges davon hatte ich mir sogar notiert und dabei folgende Sinneswerke für die Nachwelt ersonnen:

Vom 06. Januar 2017: Was von „Paterson“ im Hirn hängen blieb: Heute einen Traum gehabt, in dem sich ein Bus tagein tagaus mit Hilfstruppen durch die Fluten und Täler von Meck-Pomm kämpfte, inklusive Regen im Dunkeln und gestrandeten Berühmtheiten auf dem Weg, während meiner einer Haltestellen/blockierte Wege mit schicker Begleiterin per Laser wegballerte, zwischendurch Konversation und Gameboyzocken betrieben wurden.

Vom 13. März 2017: Hui, es gibt wieder Stoff zur Fernanalyse bzw. eine verstrahlte Traumstory direkt aus meinen luziden Spitzen binnen Schlummerlands, stilecht im Trailerformat voller Brisanz: Man stelle sich einen diffusen Polit-Spionage-Horror-Thriller vor (mMn garantiert schlimm von Justin Kurzel inszeniert), in welchem ausgerechnet der olle Marvel-Loki einen öligen Vorzeigediplomaten abgibt. Seine Sonnenbrille sitzt - im Vergleich zum sonst Paul-Ryan-mäßigen Aufzug - ziemlich nach europäischem Flair ausgerichtet auf der Nase, doch sobald er den Staatsempfang seiner Person vom Flur aus mit Verschluss der Hotelzimmertür abwürgt, übt er sich im Topos geheimnisvoller Machenschaften via Koffer. Krasser noch: Ein ultradubioser Berater seinerseits (Michael Fassbender) ist schon vor Ort und schnappt sich sodann spontan (also von 0 auf 100 in 2 Sekunden) eine Rammelnummer mit Rooney Mara im Sitzen weg. Stört dem Tom-Boy jener Grad der Räudigkeit? Pass auf: Hiddleston schnupft sich Koks vom Badezimmerspiegel hoch, grölt einer kollektiven Rugby-Ramme gleich „N***er! N***er!“ in den Marmor ringsum hinein, ehe er darauf jedoch plötzlich den blutverschmierten Finger Michis hinter sich sieht, welcher wohl gerade was übel schmoddrig Übermenschliches verbrochen hat und dasselbe mit ihm vorhaben könnte. Body-/Buddyhorror im Alt-Right-High-Rise? Uff. Je später man ins Bett geht, desto stärker bemüht sich das Hirn wohl um die größte Starpower/Albtraumballung.

Vom 3. Oktober 2017: Heutzutage heißt es Hype, Hype, Hype, wohin man auch klickt! In meinen Träumen lief vor kurzem zumindest schon mal EIN neuer Blade Runner (siehe Illustration). Da ging's um 3 verschmitzte Ex-NSA-Agenten, die im Roadtrip durch die BRD Industrieanlagen besuchen und kuriose Verhörmethoden vor Ort anwenden, um Schläfer zu ermitteln. Was auch immer :D



Zum Abschluss: 

Nun, was blieb uns denn sonst noch alles vom Jahr über? Ich weiß es nicht so genau, ich kann’s nur stationsweise rekonstruieren – z.B., dass ich einmal einen 24-Stunden-Filmtag hinter mir hatte, was vielleicht auch dafür sorgte, was an Lücken weiterhin noch über ist. Ich plane für 2018 eine ähnliche Aktion, aber einen genauen Termin möchte ich nicht festlegen, urgh. Was ich guter Vorsätze wegen nicht nochmal mache: Ein 6er-Pack Donuts in Pressevorführungen mitnehmen. Netterweise wollte ich die rumgehen lassen, während man sich mit „Downsizing“ rumplagen musste, aber keiner außer Siegfried Bendix und mir hatte zu dem Zeitpunkt Lust/Hunger drauf. Also durfte ich 5 pralle Donuts den Film lang durchfressen, aber das war noch das Beste an der Projektion. Interessant waren auch die Umstände, wie ich zum neuen „Transformers“ kam; hauptsächlich, da vormittags bei der U-Bahn-Fahrt Richtung Kino schon dickste Independence-Day-Wolken auftauchten, ehe ich die volle Ladung Schauer abbekam, als ich von der U Stephansplatz zum Cinemaxx rennen musste. Sobald der Film fertig war, schien draußen schick die Sonne. Soviel zum Sommer, der in hiesiger Stadt sogar G20 zu bieten hatte! Überall Action! Und Glühwein gab’s auch einmal, zum neuen beschissenen „Jumanji“! Ich wünschte, der hätte geholfen. Vielleicht hätte der auch „Sully“ besser gemacht, den man im kleinen Saal des Passage Kinos sehen musste – so als würde ich den in meiner Wohnung sehen, nur leiser und mit mehr Leuten vor mir. Einer der schönsten Vorführungen hatten wir allerdings mit „Siebzehn“ abbekommen – lief im 3001 Kino an der Sternschanze, war sehr gemütlich mit den neuen (?) Stühlen und lieben Pressekollegen, unter denen sich zig gute Kalauer austeilen konnten. Der schönste Kinomoment bleibt allerdings „The Book of Henry“ vorbehalten, der mit seiner Schlusspointe „Nur die Moral muss stimmen“ den Riesenlacher schlechthin erzeugte – hoffentlich nicht nur bei Bendix und mir. Ach ja, Ruben Östlund und Claes Bang hatte ich direkt vor meiner Nase, als nach dem Filmfest-Hamburg-Screening von „The Square“ noch ein kleines Meet-and-Greet (klingt wie was von Aardman) stattfand, aber ich hab mich aus deren Angelegenheiten rausgehalten, immerhin ne Goldene Palme in natura gesehen. Wenn’s hilft? 


Nun denn, mit mehr interessanten Geschichten aus dem Dickicht der Hamburger Kinowelt kann ich im Augenblick nicht dienen – oder sie sind zu privat, als dass sie mit Film zu tun haben. Keine Sorge, ich habe niemanden auf irgendnem Kinoklo gebumst - und btw, mit dem Thema #MeToo fangen wir an dieser Stelle am besten auch nicht an, das würde kein Ende nehmen, was da alles an die Öffentlichkeit geriet. Aber ich kann das Gespräch mal fix sehr geschickt überleiten und zusammenzählen, wie viele Filme ich genau im Jahre des Herren 2017 gesehen hatte! Also, in Sachen Neusichtungen kam ich auf 617, insgesamt - also mit Wiederholungen eingerechnet -, waren’s sogar 709! Das ist eine nette Steigerung, wenn man bedenkt, dass die letztjährige Quote bei 568/703 lag. Ich kann nur hoffen, dass die Zahlen 2018 ebenbürtig stark bleiben oder noch besser werden – für diesen Zweck habe ich zum Abschluss noch eine Reihe an Filmen aufgestellt, die mich durchaus interessieren (sollten sie denn auch alle in diesem Jahr erscheinen – einer meiner Most-Wanteds 2017, „Altar Rock“, kam letztes Jahr z.B. noch nicht):

Dragged across Concrete, The Commuter, On the beach at night alone, Der Seidene Pfaden, Wendy 2 – Freundschaft für immer, Death Wish, Thelma, Streetdance: Broadway, Hold the Dark, The Outsider, War Party, Isle of Dogs, The Happytime Murders, Mid `90s, Lean on Pete, I Tonya, Bad Times at the El Royale, Boy Erased, Action Point, The Beach Bum, A Beautiful Day, Backseat, The Favourite, The Old Man and the Gun, Mary Poppins Returns, Damsel, Apostle, The Week of,
The House that Jack built

Huch, das sind ja nich allzu wenige – und es sind nicht die einzigen, klar man! Inwiefern ich über sie über sie berichten werde, hmm, bleibt abzusehen. Bevor ich da wieder solche euphorischen Versprechungen mache wie letztes Jahr (die ich subsequent natürlich nicht einlösen konnte), lasse ich die Zukunft wie gehabt im Leben offen. Bei Gelegenheit könnt ihr ja hier vorbeigucken oder ich schicke es euch an die Haustür, je nachdem. Ich will auf jeden Fall versuchen, eventuell wieder was Reguläreres abzuliefern und trotzdem mit dem Job abseits des Schreibens in Einklang zu kommen. Alles ein Work-in-Progress, wir haben ja die Zeit, nicht wahr? Bis dahin: Tschüß und auf Wiedersehen/-lesen!