Sonntag, 17. Mai 2015

Tipps vom 11.05. - 17.05.2015



BREAKING THE WAVES - Allein schon, wie diese Gemeinde ist, in der Bess (Emily Watson) untergekommen ist. Ohne Umschweife spürt man an da Unbehagen, eingezwängte Seelen und eine Feindseligkeit dem Fremden gegenüber - eine omnipräsente Selbstgeißelung, die sich über den gesamten Film streckt, wie ein Alptraum von der fernen Vergangenheit: Es gibt keinen Ausweg und man bleibt schlicht hängen in so einer Zwischenwelt aus ultrakörnig-klinischer Realität ohne Lust, Laune und Leben.


Sowieso fühlt man sich machtlos und versteht die fehlende Empathie des Ringsherum einfach nicht, als wäre man ein junges Kind und von Würde ausgeschlossen. Kein Wunder, dass man da sofort bei Bess ist - die reinste Unschuld und wohl deshalb von der Umwelt so fern des Verständnisses in der Rolle des Sorgenkindes unterdrückt, auf dass sie durchweg für "nicht gesellschaftsfähig" befunden wird.


Und wenn sich doch das Glück und die Liebe in Form von Jan (Stellan Skarsgård) ergibt, ist ihre Gefühlswelt so intensiv, dass sich schließlich scheinbar alles gegen sie richten muss - nicht von einem sadistischen Drehbuch aus, sondern durch die "Menschenkenntnis" der "Normalen". Wie niederschmetternd diese Gefühle ankommen, lässt sich nicht in Worte fassen. Auch weil Bess' Güte keine Grenzen kennt, von der nur allzu menschlichen Sehnsucht besessen ist.


Doch Widerstände, Schicksale und Menschen der gemeinschaftlichen Entsagung zwingen sie dazu, um Gnade zu betteln und anhand ihrer hilflosen Naivität in eine Passion zu verfallen, der sich kein Glaube gewachsen sieht; dennoch verurteilt. Was an den Handlungen aller Seiten womöglich richtig oder falsch ist, steht durchaus von außen zum Diskurs, aber hier lässt sich nichts rationalisieren oder ideologisch festsetzen.


"Breaking the Waves" ist auf dem Wege ein erschöpfendes Monument des Leidens aus reiner Liebe; extrem in der Opfergabe und ein einziger leidenschaftlicher Todesstoß. Als Zuschauer zerbricht man jedoch bedingungslos mit; der Schmerz treibt einen in die Enge der Provinz und Krankenhäuser bis hin zu tosenden Wellen und metallenen Ruinen - weil nichts innigster brennt als diese Sympathie mit der unvergleichlichen Bess.




MAD MAX: FURY ROAD - "[...] Millers Inferno ist dabei weder am Konsens noch an Konventionen des postapokalyptischen Genres gebunden. Quasi als Erfinder jenes grandiosen Endzeit-Actiongenres folgt er seinen eigenen Regeln und tüftelt mit ungebrochenem Elan daran, sich selbst zu überbieten: noch schroffer, noch bombastischer, noch wilder. Die „Fury Road“ ist in ihrer Form die Ekstase einer künstlerischen Karriere und eine unnachgiebige Quelle des flammenden Wahnsinns. So dringlich, bizarr und einzigartig wie im Grunde Alejandro Jodorowskys „Der heilige Berg“ – eben ein Schrei der Kreativität. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




VERBOTENE SPIELE - Bei René Clément wird Humanismus schon in den ersten paar Minuten groß geschrieben, wie hart einen selbst das inzwischen recht gängige Szenario vom zweiten Weltkrieg in Frankreich trifft. Eben auch deshalb, weil die kleine Paulette (Brigitte Fossey) Opfer höherer Mächte wird und im sprachlosen Chaos Eltern wie auch Hund Jock verliert. Als unschuldige Seele weiß sie nicht so recht, was dies alles bedeutet und ihr Gefühl der Hilflosigkeit überträgt sich sofort auf den Zuschauer; bricht einem das Herz, wie man kaum drauf vorbereitet sein kann.


Cléments recht direkte Herangehensweise schreckt nun mal nicht davor zurück, einige unangenehme Wahrheiten auszupacken - ein abgeklärter Realist will er trotzdem nicht sein. Dafür ist seine Inszenierung eben filmisch aufgeklärt, kurzweilig geschnitten und mit musikalischer Begleitung versehen - jedenfalls so angemessen, wie er es für die Charaktere und ihre Umstände hält. Schließlich steht das Wohl des Kindes und die Erhaltung des empathischen Grundgedankens an vorderster Stelle. Drum ergibt sich für Paulette die Flucht aufs Land, zum beinahe gleichaltrigen Michel (Georges Poujouly) und seiner Familie.


Dort eher abseits vom Krieg, ist das Leben bescheidener, einfältiger und ruppiger, aber nicht minder herzlich. So hilft man der Kleinen aus purer Selbstverständlichkeit und bietet ihr ein vorläufiges Zuhause an. Allen voran Michel nimmt sich ihrer an, wird Beschützer und Unterstützer, das für sie unverständliche Grauen ringsherum zu verarbeiten. Angefangen mit ihrem Hund, vergraben sie sodann zusammen Tiere, beten für diese und suchen sich dafür Kreuze zusammen - eine Faszination, die man unter Erwachsenen für morbide halten könnte, in kindlichen Augen aber einem spielerischen Gemeinschaftssinn folgt. Sowieso beachtlich, mit welcher Leichtigkeit Regisseur Clément hier die drollige "Frechheit" vom Kindsein einfängt und ohnehin ein Landleben porträtiert, das immer zwischen Gemütlichkeit und der Gefahr von außen hadert. Kein Wunder, dass man sich da als Zuschauer ebenso stets im Lachen und Weinen einpegeln muss.


In diesem Zwiespalt der privaten Geheimnisse muss es dann auch zur gesellschaftlichen Konfrontation kommen, was die entwendeten Kreuze angeht - Missverständnisse der Blasphemie und persönlichen Fehden hetzen dort die Nachbarn aufeinander, obwohl der Ursprung ganz unbedarfter Natur ist. Hier steigt also im kleinen Rahmen ein Konflikt zwischen Zeitgenossen auf, wie er außerhalb des Dorfes in totaler Zerstörung schon seit Langem am Werke ist. Und selbst wenn die Verhältnisse aufgeklärt werden, folgen für Paulette und Michel sodann die Konsequenzen, die ein jeder in gewisser Weise im Krieg machen musste: Verstecken, Kapitulation, Bestrafung, Verhandlungen, Verrat und schließlich Trennung. Nichts ist in solchen Zeiten nun mal sicher, selbst auf dem unbeflecktem Lande.


Und irgendwie will keiner Verständnis für die Schwere dieser Situation unter den Kindern haben, höchstens die Tiere - seien es nun die toten, denen die Beiden in der Mühle ein liebliches Denkmal gesetzt haben oder der alte Uhu, der müde und vielleicht für hundert Jahre über dem Zeitgeschehen wacht. Er trägt für Michel das Kreuz der Erinnerung über sich, während zum Schluss hin alles ungewiss und verloren wie am Anfang des Films bleibt. Da wird einem innerhalb von leicht über achtzig Minuten Laufzeit mal sowas von einprägsam die Erfahrung individueller Opfer im Krieg klar - schade bloß, dass sich die Welt daran noch immer kein absolutes Beispiel genommen hat.




VAMPIRE'S KISS - Wer mal erleben will, wie es ist, Nicolas Cage kompletten Freiraum im Schauspiel zu gewähren, kommt an diesem Film von Robert Bierman einfach nicht vorbei. Was sich ursprünglich als Metapher auf die Abhängigkeit der Workaholic-Mentalität in der 80er-Jahre NYC versteht, ist die ideale Plattform für ein Gros an Unfassbarkeiten, bei dem Hauptdarsteller Cage derartig ungehalten exaltiert, dass man sich im Verlauf glatt das eigene Seelenwohl weglacht. Der groteske Großstadtvampir giert hier nach Blut, Sex und zielloser Macht; terrorisiert Angestellte und kauert sich im nächsten Moment in dunkle Ecken hinein - bis die nächste Sitzung beim Psychiater jede Neurose willenlos bekräftigt und im Büroalltag zur absurden Manie verkommen lässt.


Verzweiflung und Sucht reichen sich hier die Hände zur stimmungsvollen und stürmischen Ekstase. Später geht es sodann tief ins Strobo-Discoleben hinein, stilecht mit Plastikzähnen aus der Spielzeugkiste - für dieses Rollenspiel wurde Cage geboren und da wird selbst der Film machtlos gegenüber. Die surreale Verklärung kann da nur in den puren Wahn folgen und konzentriert sich in Mini-Apartments und Bürokomplexen zur intensiven Grundfläche der ausweglosen Obsessionen; eben zum abwegigen Hochgenuss in Glubschaugen und existenzialistischer Verausgabung. Wer hier nicht vorsichtshalber zur Weinflasche greift, ist von Vornherein verloren, da man sich schlicht in die Klapsmühle lacht. Ein Wunderwerk entfesselter Schauspiellust.




BRIEF EINER UNBEKANNTEN - Graziös erzählt, vermittelt Max Ophüls das hin- und hergerissene Schicksal Lisas (Joan Fontaine), welche heimlich und unglücklich in Nachbar und Konzertpianist Stefan (Louis Jourdan) verliebt ist - zu ihrem Bedauern ein ganzes Leben lang. Ihre ganz eigene Form der Zuneigung findet nie wirklich Halt, bleibt aber gegenüber den Verhältnissen bescheiden, wenn auch unendlich von Sehnsucht befallen. Drum schlägt sie auch alle Angebote aus, die ihr Gutes wollen oder sogar für sie vorbestimmt sind. Stattdessen hält sie ihre wahre Liebe im Geheimen und verklärt sich gegenüber dem Äußeren, aus Glaube am inneren Willen - eben eine Art schüchterne Obsession.


Irgendwann gelingt ihr sogar das Glück, sich ihm zu nähern, doch sie kommt nicht ganz aus sich heraus und ist eher stille Genießerin. Dennoch ist der Zauber zum Greifen nah - jedenfalls geht sie davon aus, auch weil Stefan ihr ein Versprechen abgibt, dass er als Lebemann jedoch allmählich, doch nie wirklich vergisst. Etwas fehlt ihm doch, benennen kann er es allerdings nicht. Zeit macht das mit einem, doch bei Lisa scheint die Zeit nie wirklich abzuklingen, auch weil die narrative Struktur den Sachverhalt eben so stringend konzentriert, dass sich die Unerreichbarkeit ihrer individuellen Erfüllung aus Entsagung als Lebensmotiv abzeichnet.

 
Wie die Wendeltreppe der Erinnerungen für sie zur zwiegespaltenen Heimat der Belebung und Enttäuschung wird, ist sodann die audiovisuell prägendste Eigenschaft von Ophüls' Regie an dieser oft verfilmten Literatur-Adaption, die hier mitunter mehr durch Schauspiel und Geschichte mitreißt. Sollte man ihm aber nicht zur Last legen, dafür geht er so stimmig mit seinen fokussierten Charakteren und dem klammernden Zeitkolorit um, wie es bei weitem nicht jedem gelingt. Ohnehin ist die Sinnlichkeit in den Blicken und Gesten des voneinander verlaufenden Paares schon eine vereinnehmende Essenz, die mit der kurzweiligen Laufzeit schnörkellos menschliche Sensibilität darlegt. Eben ein Melodram alter Schule.




CRY-BABY - Dieser Doo-Wop-Rockfetzer von John Waters hat bei einer Laufzeit von unter neunzig Minuten (löblich!) reichlich Energie, um gerne noch eine Weile länger dabei bleiben zu dürfen. Die wilde Sause vom 1950er Liebeskampf zwischen den abgefahrenen Drapes und den ultraspießigen Squares versteht sich dabei jedenfalls als freimütige Komödie und dreht ihr liebevoll rekreiertes Zeitkolorit zur bunten Groteske auf. Da liefert Johnny Depp als Titelheld Wade Walker selbst ohne Maske die intensive Supershow vom aufmüpfig-romantischen Halbstarken, der um die Gunst der hin und her gerissenen Allison Williams (Amy Locane) buhlt. Zusammen mit seinen aufgebretzelten Freunden (u.a. Traci Lords und Kim McGuire als legendäre 'Hatchet-Face') geht es jedenfalls anhand eines ungenierten Rock'n'Bop-Gestus in die Vollen, um der suburbanen Feindseligkeit eine Spur des Exzesses entgegenzusetzen.


Die Damen strecken ihre Brüste spitz heraus, eher wird mit der Zunge als mit den Lippen geküsst und saftige Prügeleien unter Teenagern dürfen ohnehin nicht fehlen. Das darauf aufgebaute Camp-Musical freimütiger Gesangsnummern und eifersüchtiger Fressen nimmt sich nicht wirklich ernst, doch sobald die Fascho-Squares den fiesen Krieg anzetteln, eskalieren die Konsequenzen zu handfester Wahrhaftigkeit. Zumindest in diesem Rahmen wirken sie dramaturgisch hart spannend ein, weitab der gängigen Naivität vermeidet die omnipräsente Plakativität im Grunde keinerlei soziale Ungerechtigkeiten und Schicksalsschläge - selbst wenn diese schließlich per absurder Drolligkeit aufgelöst werden. Da will man als Zuschauer gerne bis zur eventuellen Katharsis mitziehen, diese kommt allerdings früher als gedacht - jedenfalls glaubt man das, so kurzweilig "Cry-Baby" in die Vollen geht.


Der Fundus an blödeligen Reaction Shots, Cartoon-Soundeffekten, Jailhouse-Choreographien, Provinz-Satiren und räudigen Intrigen im Machtspiel des gesellschaftlichen Ansehens macht schließlich keine Gefangenen; höchstens Kirschkuchen mit Morgensternen als Füllung. Und wenn das schon keine krude Vorstellung genug wäre, liefert Gross-Out-Pionier Waters natürlich noch Tränen ins Auge, die so dickflüssig wie Sperma sind und gierig aus Gläsern getrunken werden können. Es räudet sehr - und lässt Tanzbein wie Lachmuskeln schwingen! Eben waschechter Zelluloid-Pop auf der Überholspur.




DER FREMDE AM SEE - Die unaufgeregte Sinnlichkeit schmeichelt ein, trügt allerdings auch die Stimmung - das lässt sich sowohl für die inhaltliche Ebene von Alain Guiraudies Film wie auch für dessen gestalterische Wirkung an sich sagen. Denn die wonnige Erotik der Natur will zur oberflächlichen Körperlust keine Gesichter kennen lernen; jedenfalls erst so richtig, sobald das Herz mitspielt - zudem in einem hitzigen Wechselspiel aus Furcht und Liebe, für das Protagonist Franck (auch egoistische) Kompromisse der Abhängigkeit eingeht, während weiterhin scheinbar lockere Verhältnisse von Cruising sowie schlicht asexueller Freundschaft angestimmt werden sollen. Dementsprechend behutsam und konkret - ohne extravagantes Kamerahandling und musikalische Untermalung, zudem auf ein konzentriertes Areal befestigt - stellt sich die Inszenierung dem inneren Konflikt, der von außen hin schwelgt, sich jedoch von Sonne und Schönheit blenden lässt.

 
Der kriminalistische Thrill und die leidliche Erfüllung individueller Zuneigung ziehen allerdings allmählich die Schlinge zu; verdrängen Wunschträume ewigen Sommers und offenbaren moralische Wahrheiten, die ihre Eskalation so lautlos und doch direkt ausleben wie zuvor schon der Samenerguss ins Bild schoss. Zum Schluss hin bleibt in der Aussicht auf das Schicksal Francks eine finstere Ungewissheit und gleichsam eine unvermeidliche Gewissheit, wie es der Gesamteindruck des durch und durch ökonomischen Films von Vornherein implizierte. Das geht ganz natürlich runter wie Schweißtropfen in der Sonne und gibt sich als Filmerfahrung erfrischend und spannungsgeladen - eine facettenreiche Lichtquelle voll windiger Eleganz und körperlicher Intensität.




FÜR IMMER ADALINE - "[...] Die Dimension der Traurigkeit mag sich dabei nicht vollständig auf den Zuschauer übertragen, da der teils haarsträubende Verlauf des Films vor allem gegen Ende zu lieblich seine Klammern schließt. Doch die Regie Kriegers kennt keine Scham und auch keine Ironie darin, sich dem Sujet trotzdem so ambitioniert wie nur möglich anzuvertrauen und vor allem seiner Titelheldin übergreifende und zeitlose Würde zu verleihen. Das lässt den Film vielleicht größer aussehen, als er eigentlich ist (die verschiedenen Zeitebenen des Lebens von Adaline werden meist nur zweckmäßig angerissen), doch wird er deshalb auch dann besonders schön, wenn er die Verletzlichkeit seines High Concepts verinnerlicht. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




DAS EMPIRE TEAM - Nicht unabsichtlich zwischen "Breakfast Club" und "Clerks" verordnet, zieht das titelgebende Ensemble an neunmalklugen sowie problembehafteten 90's Stereotypen einen realitätsfernen Arbeitsalltag auf, der die Problematiken des Teenager-Typus innerhalb von 24 Stunden zusammenfasst und spekulatives Unterhaltungskino per Drehbuchrealität umsetzt. Entscheidend sympathisch ist dabei die Versammlung effektiver Genre-Gesichter (Liv Tyler, Renée Zellweger, Robin Tunney) sowie energetischer Soundtrack-Einsätze, wobei das standardisierte Narrativ von gemeinschaftlicher und individueller Wunscherfüllung einen schon gut am Laufen hält; dennoch eine episodenhafte Abwegigkeit zur Schau stellt, die Pop, Pillen, Suizid, GWAR, Schlager, Groupie-Sex und Hasch-Brownies in die redundante Struktur eines Plattenladens zu pressen versucht.


Alles führt selbstverständlich in die Arme der Naivität wie auch der Großteil der Konflikte in kindischer Aufregung sowie hysterischem Brüllgehabe aufgelöst wird. Mit ein bisschen Fremdscham darf man schon rechnen, doch Harmlosigkeit und unbeholfener Eskapismus heben gerne die ohnehin dramaturgisch uneindringliche Nutzlosigkeit des Ganzen auf. Insgesamt ein netter Retro-Bonbon, bei dem sich die größte Aufregung an Rock, "Pizzas" und BH's heran hängt: niedlich, doof, prätentiös, ansatzweise romantisch und anhand eines höchst simplen Gerechtigkeitsgefühls sogar stückweise charmant - und so witzlos, dass man trotzdem lacht.




HARUSHI - DAS BLANKE SCHWERT DER RACHE - Regisseurin Kao Pao-Shu weiß, wie man relativ schnell mit knackiger Martial-Arts-Action überzeugen kann: So darf Wang Yu als akrobatischer Speerkämpfer Lung Ti bereits im Intro einen übermütigen Meister bezwingen, während Sonne und Sand im brüllenden Schnittgewitter herumpeitschen. Ein Heimvorteil kommt zudem für den hiesigen Zuschauer zustande, da Thomas Danneberg jenen Titelhelden spricht, wobei auch der Rest des Ensembles von ausgelesener Berliner Qualität ist. Doch fernab davon besitzt der Film ohnehin dieses ganz stimmige, professionelle Flair Hongkonger/Taiwanischer Expertise. Kulissen, Requisiten und technische Umsetzung anno 1971 strahlen da eben mehr Hingabe als so manche x-beliebige Knochenbrecher von der Stange aus - von den flinken Choreographien und exzessiven Blutbeuteln ganz zu schweigen.


Auch kommen einige effektive Finishing Moves zusammen, die Wang Yu in überdurchschnittlich aufregender Inszenierung vollführen darf. Es hilft eben auch ungemein, wenn man anhand einer schnellen Etablierung einen recht gewitzten und fähigen Helden innerhalb dieses Genres charakterisieren kann. Hängt der Kerl doch glatt Trauben-spuckend auf einem Baum ab und schlägt daraufhin Fieslinge in die Flucht, welche die hübsche Miss Yen (Chiao Chiao, deren halbe Turmfrisur mit Kopf quasi als visuelles Leitmotiv stets komplett von der Spitze an gefilmt werden muss) und den kleinen Ni Chiu (ein Bettlerjunge, der sich immer frech als blind ausgibt, um Silbermünzen zu erhaschen) wegen einer geheimnisvollen Bambusrolle bedrohten. Fortan wird Ni Chiu der fröhliche Sidekick Lungs und begleitet ihn à la "Lone Wolf & Cub" auf eine blutige Eskorte, die irgendwann wieder in Miss Yens Kneipenhütte zum hinausgezögerten Showdown der Mächte führt.


Hier verläuft sich der Spaß des Films ein wenig in der Belagerung der Nacht, wo vorher noch einige physikalische Unmöglichkeiten geübt wurden und plakative Schurken en masse gegen Lung antraten. Dennoch baut Regisseurin Kao auf souveräner Spannung, findet mindestens einen kreativen Szenenübergang (von einem blutigen Rücken zu einem in der Nacht) und entfesselt vor allem zum Schluss hin ein saftiges Heckmeck, bei dem gar nicht mal das komplette Happy-End durchgeführt wird; dennoch Frieden im Lande herrscht - mit einem gehörigen Leichenberg und einem undefinierbar-aus-welchem-Film-Italosoundtrack oben drauf. Ehre unter Männern und fürs Vaterland sind da selbstverständlich auch mit im Spiel, doch hier ist das lüsterne Aufspießen im Flattermodus trotzdem wichtiger als jede Politik. Insgesamt also ein recht handfestes und kurzweiliges Süppchen für Eastern-Gourmets - je nachdem, wie viele Tiefflieger jener Zunft man im Vornherein kennengelernt hat.




ROCK OF AGES - Narrative Qualitäten zu benennen, fällt einem nach Ansicht von Adam Shankmans 80's-Rock-Musical einigermaßen schwer - zumindest ist das Ensemble vom Pro und Kontra des exzessiven Stargeschrammels in seiner verzweigten Drängelei nicht immer konzentriert. Manchmal muss man da auch mit dem eigenen Interesse für einige Subplots im Zwei-Stunden-Komplex kämpfen, doch im Vordergrund überzeugt nun mal ein euphorisches Best-Of an Gitarrenhymnen, das genauso emotional auf den Zuschauer einwirkt wie es auch für die Gefühlsäußerungen der Charaktere gedacht ist. Das entschädigt mit gleißenden Lichtshows und Choreographien, während der offensichtliche Reiz der Noten in Sachen Romantik und Sex seine bunte Auslotung findet. Ob nun schroff oder süß, hetero- oder homosexuell, auf der Showbühne oder in der Strip-Bar: Das Neonlicht bietet für jeden was vom verheißungsvollen Erfolg in individuellen Talenten und Gefühlen und wird jenseits wirtschaftlicher Diktatur zum entscheidenden Motivationsfaktor des haarigen Abenteuers.


"Don't stop believing, hold on to that feeling" wird da nicht umsonst zum ultimativen Motto dieses eskapistischen Märchens. Umso stimmiger prägt sich sodann der Drive des niedlich naiven Performance-Ulks ein, da Hauptdarstellerin Julianne Hough mit unbekümmertem Elan Unschuld, Sexyness und den Glauben an die Musik verkörpern kann - dagegen kann nicht mal die gebündelte Macho-"Pracht" von Tom Cruise und Alec Baldwin in langhaariger Montur was anrichten. Dass beide Ebenen sich zum glittrigen Fun zusammenwerfen, ist jedenfalls so oder so ein unfehlbares Erfolgskonzept - es hätte jetzt nur noch gefehlt, dass man sich von der Story her mehr auf emotional beglückenderes Potenzial konzentriert hätte. Nun ja, man kann nicht immer in allen Belangen ein Best-Of erhalten - Spaß an jener Imperfektion sollte man sich dennoch erlauben dürfen.




WANG YU, DER STÄHLERNE TODESSCHLAG - Im Grunde ist jenes Werk ein dumpfer Thailand-Klopper, wie er zu jener Zeit in mehrfacher Ausführung produziert wurde. Selbst dramaturgisch schon nicht allzu komplexen Genre-Vertretern wie "Wang Yu kennt kein Erbarmen" (vom selben Regisseur, Ting Shan-Hsi) unterlegen, ist die Geschichte um Banditen, Rauschgift, Bruderehre und Rache zur Zeit des alten Chinas (? - komischerweise wird hier mit "großen" Summen wie 500 oder 1000 Yen verhandelt) ein Standardstück, das sich durch möglichst viele Prügelszenen schleift.

Am interessantesten wirkt da vielleicht noch der Umstand, dass Titelheld Wang Yu und seine urkomische Sherpamütze (?) so dreimal hintereinander in demselben Bordell Schergen wie auch Polizei aufmischen; auch mit der Klinge Blut an die Wände verteilen - fern jeder gesetzlichen Konsequenzen. Schön ruppig, geradlinig und auch ziemlich dumm, ab und an im Grenzbereich des Unmöglichen. So lässt sich der Film im Grunde schon solide aushalten, doch er wäre nicht der Rede wert, hielte er nicht eine der deppertsten Synchronisationen seines Fachs inne.

Diese wurde nämlich offenbar als Exportsynchro von französischen Sprechern auf deutsch gemünzt und besitzt neben einem teils obskuren und schlicht falschen Wortschatz zudem eine unbeholfene Akzentenvielfalt, welche die Gestelztheit der 08/15-Produktion so unfreiwillig hervorhebt, dass man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt - auch weil das Lachen des Ensembles durchweg erzwungen klingt und der auch noch reichlich protzige Dialog in fast robotischer Rhythmik daherkommt.

Man muss es erlebt haben, um es zu glauben, drum gibt es hier mal einen offiziellen Youtube-Link zum Film, den man nicht missen sollte, selbst wenn der Film nicht jedermanns Kost sein wird:

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